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BREsilient
Best Practices aus der Wirtschaft, GREEN CITY, GREEN CLIMATE, Klimawandel, Netzwerken

Klimaresilienter Zukunftsstadtstaat Bremen – BREsilient

Manchmal wird der Eindruck erweckt, dass der Klimawandel noch sehr fern ist und Deutschland kaum betrifft. Dabei sind schon heute weitreichende Klimaänderungen zu beobachten – auch in Bremen und Bremerhaven. In Zukunft werden sich der Klimawandel und seine Folgen noch verstärken. Hitze und Starkregen machen vielen Unternehmen an ihren eigenen Standorten schon jetzt zu schaffen. Extremwetterereignisse und langfristige Klimaveränderungen können außerdem zur Unterbrechung von Liefer- und Logistikketten führen sowie Rohstoff- und Materialverfügbarkeiten beeinträchtigen. Es ist daher wichtig, sich rechtzeitig und effizient anzupassen.

Unternehmen haben vielfältige Möglichkeiten sich darauf vorzubereiten, angefangen von der Begrünung oder technischen Maßnahmen am Standort bis zu Veränderungen in der Beschaffung. Unter der Leitung der Bremer Umweltsenatorin wurde im Projekt  BREsilient – Klimaresiliente Zukunftsstadt Bremen  bereits in den vergangenen zwei Jahren die Workshopreihe „Bremer Unternehmen im Klimawandel“ durchgeführt. Dabei wurde die Betroffenheit durch Klimawandelfolgen und mögliche Anpassungsmaßnahmen insbesondere in den Sektoren Maritime Logistik und dem Ernährungssektor untersucht und spannende Erkenntnisse gewonnen.

Maritime Logistik

Der Hafen von Bremerhaven stellt mit einem Containerumschlag von ca. 4,9 Mio. TEU*/Jahr und als zweitgrößter europäischer Automobilumschlagsplatz eine kritische Infrastruktur zur Versorgung von Wirtschaft und Bevölkerung dar. Der Klimawandel ist für die Maritime Wirtschaft & Logistik in Bremen und Bremerhaven bereits jetzt, insbesondere durch vermehrt auftretende Extremwetterereignisse, spürbar, was zu entsprechenden Störungen führt. Im Rahmen des Projekts BREsilient wurde durch Interviews und Literaturrecherchen ermittelt, inwiefern Bremer und Bremerhavener Unternehmen von Extremwetterereignissen betroffen sind und welche Anpassungsmaßnahmen an die Folgen des Klimawandels bereits existieren. In drei Workshops wurden mit Vertreter:innen aus den Bereichen Hafen, Binnenschifffahrt, Bahn und Lagerlogistik die Ergebnisse diskutiert, Risiken bewertet und gemeinsam weitere Anpassungsmaßnahmen identifiziert.

Identifizierte Maßnahmen in der maritimen Logistik

Je nach Sektor gibt es unterschiedliche technische und organisatorische Maßnahmen, wie Erstellung und Training von Notfallplänen, ggf. im Zusammenwirken verschiedener Verkehrsträger und in Zusammenarbeit mit Behörden mit Sicherheitsaufgaben (BOS), z. B. der Feuerwehr, der Implementierung eines Risikomanagements zur Vorbereitung gegenüber Extremwetterereignissen, der Anpassung, Wartung und Beobachtung der Infrastruktur hinsichtlich der Anforderungen durch den Klimawandel oder die Erhöhung der Lager- oder Transportkapazitäten. Für den Umschlag im Hafen sollte vor allem zusätzliche Barrieren und Rückhaltebecken im Rahmen des Hochwasserschutzes gebaut werden, um Überschwemmungen zu verhindern und hitzebeständige Materialien beim Bau von Hafenanlagen verwendet werden. In der Binnenschifffahrt spielt die Entwicklung neuer Schiffstypen zum Einsatz bei Niedrigwasser und die Erweiterung der Funktionen in River Information Services (RIS) eine zentrale Rolle. Bei den Themen Bahn und Straße wird auf  ein Vegetationsmanagement entlang der Trassen und an den Straßen gesetzt und zum Einsatz zusätzlicher Pumpen in Tunneln geraten. In der Lagerhaltung ist die Verbesserung der Isolation und Kühlung ratsam.

Ernährungssektor

Auch Unternehmen der Ernährungsbranche haben vielfältige technische und organisatorische Möglichkeiten, ihre Beschaffung, das Unternehmen selbst oder ihren Absatz an den Klimawandel anzupassen. Die organisatorischen Ansätze können in Maßnahmen der Diversifizierung, der Kommunikation und Kooperation und im Management differenziert werden. Durch die Importabhängigkeit der Ernährungsbranche sind für die hier betrachteten Warengruppen Kaffee, Obst & Gemüse sowie Fisch & Meerestiere insbesondere Maßnahmen wichtig, die bei der Beschaffung ansetzen. Neben der Unterstützung von technischen Maßnahmen bei Lieferanten vor Ort, bieten vor allem organisatorische Maßnahmen Potenzial, Beschaffungsrisiken zu adressieren. Das Produktportfolio kann auf unterschiedlichen Ebenen diversifiziert werden.

Identifizierte Maßnahmen im Ernährungssektor

Verschiedene Lieferanten oder Bezugsregionen für ein Produkt können Lieferengpässen oder -ausfällen infolge von Extremwetterereignissen oder langfristigen Anbauveränderungen in einer Region vorbeugen. Um das Produktportfolio mit klimarobusteren Sorten zu erweitern, können ggf. in Kooperation mit Lieferanten neue Sorten beschafft oder angepflanzt bzw. gezüchtet werden. Hierbei sollten auch Veränderungen der Nachfragestrukturen beachtet werden, die sich durch den Klimawandel ergeben können wie beispielsweise eine geringere Fischnachfrage in Hitzeperioden. Durch eine verbesserte Kooperation und Kommunikation können Lieferantenbeziehungen als langfristige und vertrauensvolle Partnerschaften entwickelt werden. Dies ermöglicht einen offenen Umgang, sodass im Fall von Problemen wie drohender Ernteausfälle gemeinsam und schnell gehandelt werden kann. Auch können Lieferanten so in die langfristige Planung miteinbezogen und besser bei der Umsetzung von Anpassungsmaßnahmen unterstützt werden. Hierbei kann die Zusammenarbeit mit  Brancheninitiativen hilfreich sein, um Beratung und Schulungen für Lieferanten zu ermöglichen. Auf Ebene des Managements kann vor allem die Erschließung alternativer Liefer- und Distributionswege zur Anpassung beitragen, um im Falle von Extremwetterereignissen ausweichen zu können und so Unterbrechungen der Transportwege vorzubeugen. Zusätzlich kann eine erhöhte Lagerhaltung sinnvoll sein.

Beispiele aus der Wirtschaft

Die Firma Lamotte setzt im Obst- und Gemüse-Sektor auf geografisch diversifizierte Beschaffung. Enge, langfristige Partnerschaften mit Lieferanten und Vor-Ort-Besuche ermöglichen ihr einen tiefen Einblick in die Verhältnisse in den Beschaffungsregionen. Offene Kommunikation ermöglicht bei Problemen ein schnelles Handeln im Sinne der Firma und der Anbauenden. Durch vorsorgende Lagerhaltung in den Vertriebsregionen sichert Lamotte die Produktverfügbarkeit.

Kornkraft Naturkost setzt mit Nachtkühlung im Lagerbereich auf einen innovativen low-tech und low-cost Ansatz, um dem erhöhten Kühlbedarf durch Temperatursteigerung zu begegnen. Durch die Nutzung der kühlen Nachtluft kann auf energieintensive Kältemaschinen verzichtet werden. Die Umsetzbarkeit im Lebensmitteleinzelhandel ist ebenfalls bereits erprobt.

Die Maßnahmen der Unternehmen Transgourmet und Nordsee aus der Fischereibranche sehen Diversifizierung in Form von flexiblen Beschaffungsstrukturen vor. Lieferschwierigkeiten werden durch erhöhte Lagerhaltung und den Ersatz von Frischfisch durch Tiefkühlfisch abgefedert. Die Firma Nordsee erhöht zudem ihre Flexibilität durch die Anpassung ihres Fischportfolios und hat den Versicherungsschutz ihrer Filialen gegen Hochwasser erhöht. Transgourmet legt insbesondere Wert auf die Kommunikation von Maßnahmen gegenüber Kund:innen sowie eine enge Zusammenarbeit mit Forschungsinstituten und Nichtregierungsorganisationen.

In der Kaffeebranche bietet die Neumann Stiftung mit der „Coffee & Climate-Initiative“ Unterstützung für Anbauende. In Workshops wurden u. a. Maßnahmen im Bereich Bodennutzung, Wassermanagement und Schädlingsbekämpfung entwickelt und zum Teil umgesetzt.

 

Planspiel zum Umgang mit Klimarisiken und Lernworkshops für die Ernährungswirtschaft 2022

Befragungen der Teilnehmenden aus Unternehmen und Verwaltung zeigten, dass die Workshops erfolgreich das Wissen zu Klimafolgen und Anpassung, die Vernetzung zwischen unterschiedlichen Unternehmen und die Motivation zur Umsetzung von Anpassungsmaßnahmen steigern konnten. Aus diesem Grund werden im Rahmen des Projekts BREsilient auch in 2022 weitere Veranstaltungen angeboten, zu denen Bremer Unternehmen herzlich eingeladen sind.

Das Planspiel zum Umgang mit Klimarisiken findet am 29.6.22, 15-18 Uhr im Martinshof – KWADRAT (Wilhelm-Kaisen-Brücke 4, 28199 Bremen) statt. Die Teilnehmer nehmen dabei die Rolle eines fiktiven Unternehmens ein und reisen gemeinsam mit anderen in die Zukunft, in der sie sich mit verschiedenen Klimawandelfolgen auseinandersetzen müssen. Individuell, aber auch gemeinsam, gilt es Maßnahmen zu entwickeln, um sich auf langfristige Klimaveränderungen und Extremwetterereignisse besser vorzubereiten. Wie beeinflusst der Klimawandel globale Lieferketten und Warenverfügbarkeit? Welche Herausforderungen entstehen für die Logistik? Wie verändern sich die Themen Arbeitsschutz, betriebliche Gesundheit oder der Umgang mit temperatursensiblen Produkten und Prozessen? Welche Veränderungen am Standort, in Betriebsabläufen oder der Beschaffung sind geeignet, um sich gegenüber Klimafolgen zu wappnen. Unternehmensvertreter*innen aus unterschiedlichen Branchen, Multiplikatoren und Verwaltungsakteure entwickeln spielerisch und gemeinsam Lösungsansätze und Anpassungsmaßnahmen, tauschen sich aus und erfahren auf dieser Veranstaltung, was die Folgen des Klimawandels für unternehmerisches Handeln bedeuten und wie Unternehmensstandorte
und Prozesse besser vorbereitet und geschützt werden können. Gleichzeitig können sie sich mit anderen Unternehmen sowie Verwaltungsakteuren und Multiplikatoren austauschen und voneinander lernen.

Interessierten Unternehmen der Ernährungswirtschaft wird innerhalb von drei Workshops eine Begleitung bei der Entwicklung und Umsetzung von Maßnahmen zur Anpassung an den Klimawandel angeboten. Der erste Termin findet am 23.6.2022, 15:00-17:00 Uhr in der Handwerkskammer Bremen statt. Hierfür werden Beratungsgespräche im Unternehmen durchgeführt, in denen zum Beispiel bei der Anwendung von Analysetools unterstützt wird. Begleitend finden drei Workshops innerhalb einer kleinen Gruppe von Unternehmen statt, um Erfahrungen auszutauschen und voneinander zu lernen.

 

Für die Anmeldung oder mehr Informationen einfach hier registrieren
Weitere Informationen zu BREsilient unter bresilient.de

Kontakt: Esther Hoffmann, Esther.Hoffmann@ioew.de, Institut für ökologische Wirtschaftsforschung (IÖW)

 

BREsilient

BREsilient wird vom Bundesministerium für Bildung und Forschung gefördert, die Veranstaltung ist daher kostenfrei. Weitere Informationen finden Sie online. Ausgewählte Ergebnisse der bisherigen Projektarbeit finden Sie in Fact Sheets, in denen die Betroffenheit durch den Klimawandel für die Logistik sowie für verschiedene Warengruppen (Fisch, Obst & Gemüse, Kaffee) und mögliche Anpassungs­maßnahmen für Unternehmen der Logistik und der Ernährungswirtschaft dargestellt werden.

 


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