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Erneuerbare Energien, GREEN SEA, Wasserstoff, Windenergie

Saubere Energie aus dem „Entenschnabel“

Neue Perspektiven für die maritime Industrie durch Wasserstoffproduktion auf Hoher See

„Grüner“ Wasserstoff gilt als Energieträger der Zukunft. Eine Gruppe von Unternehmen will das Gas in wenigen Jahren in der Deutschen Bucht produzieren und mit Spezialschiffen an Land bringen. Das Konzept verbindet Klimaschutz mit neuen Perspektiven für die maritime Industrie in Bremerhaven.

Das Nadelöhr der Landanbindung soll umgangen werden

Windparks auf hoher See gelten als Eckpfeiler der Energiewende in Deutschland. Die klimafreundliche Stromproduktion fernab der Küste hat aber mit einer Herausforderung zu kämpfen: „Die Netzanbindung der Parks ans Festland ist der Engpass, der den Ausbau der Offshore-Windenergie derzeit einschränkt“, ist Andreas Wellbrock überzeugt. Die Kabel über Hunderte von Kilometern auf dem Meeresboden zu verlegen, ist teuer. Zudem müssen sie quer durch den Nationalpark Wattenmeer gezogen werden. Zusätzlich mangelt es an den für den Ökostrom-Transport notwendigen Konverter-Stationen in der Nordsee. Gemeinsam mit drei weiteren Unternehmen aus Bremen, Bremerhaven und Hamburg hat der Chef der Bremerhavener NorthH2 Projektgesellschaft mbH eine bestechend wirkende Alternative entwickelt, die bereits ab 2030 Realität werden könnte: „Wir umgehen das Nadelöhr der Landanbindung, indem wir mit Windstrom direkt in den Offshore-Windparks Wasserstoff produzieren und mit Tankschiffen an Land bringen.“

Seit drei Jahren an Offshore-Lösung gearbeitet

Wasserstoff gilt seit langem als Energieträger der Zukunft — wenn er denn mit Hilfe erneuerbarer Energien produziert wird. Das gasförmige Element — kurz auch H2 oder auf Englisch Hydrogen genannt — ist vielseitig einsetzbar. Ob direkt als Kraftstoff oder als chemische Verbindung wie beispielsweise Methanol ist Wasserstoff die CO2-freie Alternative zu fossilen Brennstoffen. Die entscheidende Frage lautete bisher: Wie lässt sich „grüner“ Wasserstoff im großen Stil kostengünstig produzieren und an Land bringen? Gemeinsam mit seinen Projektpartnern entwickelte Wellbrock innerhalb von gut drei Jahren eine Offshore-Lösung, die jetzt bereit zur Realisierung ist: „Wir bauen einen Windpark mitten in der Deutschen Bucht und installieren dort auch einen Groß-Elektrolyseur für die Wasserstoff-Herstellung“, erläutert Wellbrock.

Einfaches Konzept für die Hydrogen-Produktion

Das Konzept der North Sea Hydrogen Offshore Farm klingt einfach und ist deshalb bestechend. Wellbrock und seine Partner wollen im so genannten Entenschnabel mitten in der Deutschen Bucht zunächst einen Windpark mit einer Leistung von einem Gigawatt bauen. Das 36.000 Quadratkilometer große Gebiet am nordwestlichen Ende der deutschen Ausschließlichen Wirtschaftszone (AWZ) in der Nordsee ist nach seiner Form benannt. Es ist einer der zentralen Punkte für den Bau von Offshore-Windparks für die Energieversorgung in Deutschland. „Wir werden den Park aber nicht über ein Kabel an das deutsche Stromnetz anschließen, sondern die gewonnene elektrische Energie direkt vor Ort für die Wasserstoff-Produktion verwenden“, erläutert Wellbrock.

Bis zu 70.000 Tonnen Wasserstoff sollen hergestellt werden

Das Projekt sieht den Bau eines so genannten PEM-Elektrolyseurs mit 900 Megawatt Leistung vor, in dem mit Hilfe des Windstroms Wasser in seine Elemente Wasserstoff und Sauerstoff „zerlegt“ werden kann: „Jeder kennt das Prinzip noch aus den Knallgas-Experimenten im Chemieunterricht“, sagt Wellbrock schmunzelnd. Bis zu 70.000 Tonnen Wasserstoff sollen dort pro Jahr produziert und anschließend per Tankschiff an die Küste gefahren werden. Umschlagpunkte können sowohl der in Bremerhaven geplante „EnergyPort“ als auch das LNG-Terminal in Wilhelmshaven sein.

Projekt beruht auf Kompetenz von erfahrenen Firmen

„Die Technologien und Anlagen für dieses Vorhaben gibt es bereits“, versichert Wellbrock. Und auch das Know-how für die Entwicklung und den Bau der North Sea Hydrogen Offshore Windfarm ist vorhanden. Das Konsortium hinter diesem Projekt vereint Erfahrungen und Kompetenzen zu allen Aufgaben, die mit diesem Vorhaben verbunden sind: Zu ihm gehören die Hamburger Projektmanagement-Gesellschaft ONP. Sie ist aus einem deutschen Baukonzern hervorgegangen, der zu den Pionieren des Windparkbaus in Nord- und Ostsee gehört. Mit dabei ist zudem die Heinrich-Rönner-Gruppe aus Bremerhaven, die zu den größten Schiff- und Stahlbaufirmen in Norddeutschland zählt — unter anderem gehört die Lloyd Werft Bremerhaven zu dem Familienunternehmen. Und als eine der führenden Reedereien in der Schwergut- und Spezialschifffahrt bringt die Bremer Harren Group — ebenfalls ein Familienunternehmen — ihre Logistik- und Transportkompetenz in das Vorhaben ein.

Neue Perspektiven für die maritime Industrie

Wellbrock und seine Partner haben sich aber nicht nur für die saubere Energie aus dem „Entenschnabel“ zusammengeschlossen. „Das Konzept öffnet für alle Beteiligten neue unternehmerische Perspektiven in ihren bisherigen Schwerpunkten“, ist Wellbrock überzeugt. ONP kann sein Portfolio im Bereich der Projektentwicklung vergrößern; die Rönner-Gruppe setzt auf den Bau der notwendigen Elektrolyseur-Plattformen sowie der Tankschiffe; Harren möchte sein Geschäftsfeld als Reederei erweitern. „Solche Projekte werden in aller Welt benötigt, deswegen wird es einen entsprechend hohen Bedarf an den notwendigen Anlagen und Schiffen geben“, betont Wellbrock. „Damit ist unser Vorhaben nicht nur ein Beitrag zur Energiewende, sondern auch zu der künftigen Entwicklung des maritimen Standortes Deutschland.“

„Wasserstoff ist überall auf der Welt der Energieträger der Zukunft“

Die Projektpartner stehen bereits in den Startlöchern. Der Startschuss soll fallen, wenn in den nächsten Monaten die Lizenz für drei kleine Flächen zur „Sonstigen Energiegewinnung“ in der deutschen Nordsee vergeben wird. Wenn alles wie geplant läuft, könnte die Wasserstoffproduktion bereits 2030 beginnen. Und selbst wenn das norddeutsche Konsortium bei der Vergabe des angestrebten Standortes leer ausgehen sollte, wollen sich die Partner nicht beirren lassen: „Dann realisieren wir unser Vorhaben in einem der europäischen Nachbarländer. Wasserstoff ist nicht nur für die deutsche Energiewende, sondern überall auf der Welt der Energieträger der Zukunft“, unterstreicht Wellbrock.

Pressekontakt:

Andreas Wellbrock, Geschäftsführer NorthH2 Projektgesellschaft mbH, E-Mail: a.wellbrock@north-h2-sea.de, Tel.: +49 172 754 6336

Autor: Wolfgang Heumer


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