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Klimameile Bremerhaven ohne CO2

Die „Alte Bürger“ soll energetisch saniert werden

Sie ist eine der eindrucksvollsten Straßenzüge in Bremerhaven: die „Alte Bürger“. Knapp einen Kilometer lang, vereint sie viele der schönen Gründerhäuser der Stadt aus der Jugendstilzeit. Energieeffizienz war allerdings für Bauherren dieser Epoche noch ein Fremdwort. Ein ehrgeiziges EU-Projekt soll die „Alte Bürger“ jetzt zur Klimameile machen.

Verzierte Fassaden, Giebeldächer, Zwiebeltürme, Dachgauben – auf den ersten Blick sind die Häuser in der „Alten Bürger“ nicht gerade die besten Kandidaten für die Einsparung von Co2-Emissionen. Auf den zweiten Blick aber schon, sagt Till Scherzinger, Leiter des Bremerhavener Klimastadtbüros: „Es geht neben den Häusern vor allem auch um die Leute, die hier leben. Wir haben mit der Klimameile ein Projekt ins Leben gerufen, das sowohl Hausbesitzer als auch Mieter mit einbezieht. Klimaschutz in Wohnquartieren funktioniert nur, wenn alle mitmachen.“

Förderung durch EU-Projekt und der KfW

Finanziert wird das Vorhaben im Rahmen des EU-Projektes „Stronghouse“ sowie mit Geldern der Kreditanstalt für Wiederaufbau und des städtischen Klimastadtbüros. Gemeinsam mit dem Bremer Sanierungsträger BauBeCon wurde bereits die Wohn- und Hausstruktur in der Alten Bürger unter die Lupe genommen. „Rund zehn Häuser sind exemplarisch vom Keller bis zum Dach untersucht worden. Auf dieser Basis wird nun bis September eine Konzeptstudie erstellt, mit der wir das Projekt Klimameile gezielt in Angriff nehmen“, so Scherzinger.

Die ausgewählten Häuser für die Bestandsaufnahmen zeigen die Vielfalt der Möglichkeiten und auch die bereits vorhandenen Ansätze für Co2-Einsparungen im Wohnquartier „Alte Bürger“. Der Name ist die liebevolle Kurzform für Bürgermeister-Smidt-Straße. Er stammt von den Anwohnern sowie Besuchern der besonderen Kultur- und Kneipenstraße, die vor gut 120 Jahren namentlich als  „Kaiserstraße“ gebaut wurde.

„Wir haben hier die perfekte Mischung für ein solches Projekt“, sagt Jens Rilke. Er ist als Quartiersmeister bei der Klimameile dabei, sorgt für den Austausch mit den Anwohnern und die Vernetzung der Akteure im Quartier. „Es gibt ein Gebäude, das schon Anfang 2000 in Zusammenarbeit mit Greenpeace energetisch saniert wurde. Dann haben wir ein saniertes Haus mit Blockheizkraftwerk im Keller als gutes Referenzobjekt. Gleichzeitig gibt es neben den normalen unsanierten Bestandsimmobilien aber auch leer stehende Häuser, die von Grund auf modernisiert werden können“, so Rilke. Ein Beispiel dafür sei die Hausnummer 218.

Anlaufpunkt für Kreative und Kulturschaffende

„Das Gebäude ist ein guter Startpunkt für die energetische Sanierung der Alten Bürger, weil es komplett auf den neuesten Stand der Technik und auch Bautechnik gebracht werden kann“, erläutert Till Scherzinger. Das werde in Zusammenarbeit mit den Eigentümern und im Rahmen des Projektes Kreativer Aufbruch Bremerhaven (.kab). Das sogenannte „Werkhaus“ soll zukünftig unter anderem als Anlauf – und Wohnpunkt für Kreative und Kulturschaffende dienen. Neben der energetischen Sanierung von Wohngebäuden in der Alten Bürger gehe es aber auch darum, Kooperationen zu schaffen, so Till Scherzinger: „Wenn in einem Haus ein Blockheizkraftwerk eingebaut wird, warum sollen dann nicht die Häuser und Menschen links und rechts davon profitieren? Sowas kann gemeinsam genutzt werden.“

Dächer, Fenster, Treppenhäuser, Heizungsanlagen, Fassadendämmung – in den Gründerzeithäusern ist viel zu tun in Sachen Co2-Emission. „Neben dem Erhalt der Fassaden geht es darum, die Beteiligten mit ins Boot zu holen. Dazu gehört auch, Hauseigentümer davon zu überzeugen, dass es sich lohnt, in ihre Häuser bei der Energieeffizienz zu investieren“, sagt Jens Rilke. Zusammen mit Projektpartnern und Sanierungsträgern werde geguckt, welche Sanierungsmaßnahmen wie förderfähig seien und auch die Antragsstellung aktiv begleitet.

Nach Abgabe der Konzeptstudie im September 2021 soll das Projekt Klimameile in die nächste Phase gehen. In einem weiteren Schritt würden dann die finanziellen Mittel für das Sanierungsmanagement beantragt. „Es geht dabei um einen Ansprechpartner als feste Stelle für maximal fünf Jahre, damit das Projekt vor Ort zielgerecht betreut wird“, erklärt Till Scherzinger.

Großes Interesse bei Eigentümern und Mietern

Dass die „Alte Bürger“ als erstes Co2-neutrales Quartier in Bremerhaven auf einem guten Weg ist, sieht er am Interesse von Eigentümern und Mietern: „Bei der Videoauftakt-Veranstaltung am Donnerstag, 25. März, hatten wir rund 50 Teilnehmer. Das ist klasse und zeigt: Die Leute wollen das. Hier ist das Potenzial dafür.“ Das EU-Projekt Stronghouse selbst läuft seit Anfang 2020.

Partnerländer sind unter anderem die Niederlande, Dänemark, Großbritannien und Schweden. „Wir können viel voneinander lernen und planen auch mal den Besuch von EU-Partnern hier bei uns in Bremerhaven zum Austausch“, erzählt Till Scherzinger. Was der umtriebige Klimaschützer noch plant, sind schon die nächsten zwei Projekte, um Bremerhaven noch klimaneutraler zu machen. Till Scherzinger:  „Ein Gewerbegebiet wie die Rudloffstraße/Barkhausenstraße und ein reines Neubaugebiet wie am Neuen Hafen sind gute und anders gelagerte Ansatzpunkte. Dann hätten wir zusammen mit der benachbarten Alten Bürger  ein übergreifendes,  Co2-neutrales Gesamtareal.“

 


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