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Den Wind auf dem Rücken: Offshore-Experten aus Bremerhaven international gefragt

Das Bremerhavener Unternehmen b.offshore im Portrait

Die Windkraft ist inzwischen ein selbstverständlicher Teil der deutschen Energielandschaft. Trotzdem ist jedes einzelne Windparkprojekt – speziell im Offshore-Bereich – eine technische Meisterleistung und weit davon entfernt, Alltagsgeschäft zu sein. Für die Planung und den Bau der bis zu mehreren 1000 Tonnen schweren Komponenten braucht man Spezialisten und Ingenieure, die ihr Handwerk verstehen. In Bremerhaven sorgen die Windkraft-Experten der b.offshore GmbH für Planungssicherheit, saubere Energie und Arbeitsplätze.

Thomas Pontow ist Ingenieur durch und durch. Die Begeisterung ist ihm anzusehen, wenn er von den Projekten seiner Firma und dem Team erzählt. Mehr als 20 Ingenieure, Elektrotechniker, Stahlbau-Konstrukteure und Vermessungstechniker arbeiten mittlerweile bei b.offshore. Angefangen hat das junge Unternehmen erst im April 2016 mit acht Mitarbeitern. Die Gründung der Firma steht nicht nur für die Kompetenz bei Umwelttechnologien in Bremerhaven, sondern vor allem auch für die nachhaltige Stärke der Windenergiebranche in der Seestadt. Das Unternehmen b.offshore deckt dabei die Bereiche Stahlbaukonstruktion, Maschinenbau und Elektrotechnik ab.

„Unsere Kunden kommen aus Dänemark, aus Belgien, Holland und Frankreich. Selbst in Asien sind unsere Leute im Einsatz – und natürlich auch in Deutschland“, sagt Thomas Pontow. Der 45-jährige ist 2010 wegen eines Jobs bei einem Turm-Hersteller für Offshore-Windräder in die Region gekommen. Über mehrere Stationen ist er der Branche bis heute treu geblieben und hat den Schritt in die Selbstständigkeit gewagt.

„Bremerhaven und das vorhandene Know-How in der Windenergiebranche haben international einen hervorragenden Ruf. Was lag da näher, als sich hier am Standort selbstständig zu machen?“, sagt Firmengründer Pontow. Das Portfolio von b.offshore reicht von der Fundament-Planung für Windräder, über die Ausrüstung der entsprechenden Turmschächte und die elektrische Verkabelung in den Türmen bis zur Planung von kompletten Windparks. Auf dem Gebiet ist b.offshore im wahrsten Sinne des Wortes ein Schwergewicht. Die bisher von b.offshore geplanten Umspannstationen für den produzierten Strom in den Offshore-Windparks wiegen bis zu 6000 Tonnen.

„Ja“, lächelt Thomas Pontow bescheiden, „das sind beachtliche Gewichte, die da bewegt werden und vor allem genau berechnet werden müssen.“ Auf den Umspann-Plattformen läuft in einem Offshore-Windpark die erzeugte Energie der einzelnen Windräder zusammen. Der Strom wird durch mehrere mächtige Transformatoren auf der Plattform in die nötige Stärke für das Hochspannungsnetz an Land umgewandelt. Die Seekabel können so nicht nur eine größere Menge Strom in Richtung Küste transportieren. Es müssen auch weniger Kabel verlegt werden. Neben der Planung von Windradfundamenten und Umspannstationen macht b.offshore auch die Inbetriebnahmen und Endabnahmen der Gesamtanlagen – wie im Windpark Arkona-Becken in der Ostsee bei Rügen für den Netzbetreiber 50 Hertz.

„Eine Umspannstation kann 40 mal 40 Meter groß sein und 20 Meter hoch“, erzählt Thomas Pontow. „Die statischen Berechnungen für so eine Konstruktion mitten im Meer mit der Verankerung im Meeresboden sind eine echte Herausforderung.“ In solchen Stationen sind neben den elektrischen Anlagen auch Arbeitsräume für das Service-Personal im Offshore-Windpark untergebracht und außerdem Übernachtungsmöglichkeiten.

Neben den richtig großen Baustellen geht b.offshore auch in die Bereiche, wo das Auge als Messgerät nicht mehr funktioniert. „Wir vermessen unter anderem per Laser-Technik die Flansche – also die Verbindungsteile – für Windrad-Türme und Fundamente und überprüfen, ob alles zueinander passt. Die Stahlröhren mit einem Durchmesser bis zu neun Meter wiegen schon mal 1500 Tonnen und am Ende geht es bei der Montage um eine Präzision von weniger als einen Millimeter“, beschreibt der Ingenieur.

Der gute Ruf von b.offshore reicht inzwischen bis nach Asien. Die Windkraft-Experten haben vor der Westküste von Südkorea bereits die Planung von Windrad-Fundamenten unterstützt. Weitere Parks sollen folgen und auch in Taiwan hoffen die Bremerhavener Spezialisten auf Aufträge. Thomas Pontow: „Bei der Planung von Windparks und Windrad-Fundamenten geht es vor allem immer um die korrekte Vorbereitung. Der Meeresboden muss seismisch untersucht werden, damit die Fundamente passend konstruiert und gebaut werden. Das kann vom klassischen Dreibein bis zum Monopile reichen – einem einzelnen Stahlpfahl, der in den Untergrund gerammt wird und als Basis für den Turmschaft dient. Das hängt ganz davon ab, ob der Meeresboden weich oder hart ist, schlickig oder felsig.“

Und die Ingenieure bei b.offshore wären keine Ingenieure, wenn sie nicht längst neue Aufgaben und Horizonte im Blick hätten. Nicht alle Küstenländer auf der Welt haben so flache Gewässer vor Tür wie Deutschland. Ab einer Wassertiefe von rund 50 Metern muss über alternative Gründungskonzepte nachgedacht werden – zum Beispiel schwimmende Windräder. „Wir sehen in verschiedenen Teilen der Welt einen starken Trend hin zu schwimmenden Fundamenten für Windparks – und nicht nur das“, sagt Thomas Pontow.

Für die Stromübertragung von weit entfernten Windparks muss über alternative Übertragungskonzepte nachgedacht werden. Hier kann die Umwandlung von Strom in Wasserstoff als Speichermedium weiterhelfen. Führende europäische Energieversorger sind da bereits in der Testphase mit ihren Prototypen – wie zum Beispiel vor der schottischen Küste. Bei dem Thema erreicht die Begeisterung von Thomas Pontow neue Dimensionen. „Bremerhaven als Kompetenzzentrum für die Entwicklung und Forschung in diesem Bereich aufzustellen – das wäre was.“

 

 


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