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Klimawandel, Neues aus Forschung, Bildung, Wissenschaft

Klimaschutz und Klimaanpassung auf der Luneplate

Das Climate Service Center Germany (GERICS) legt regionale Klimainformationen für die weitere Planung des grünen Gewerbegebietes vor.

In die Planungen für das nachhaltige Gewerbegebiet in Bremerhaven, die ganz unter dem Vorzeichen des Klimaschutzes stehen, ist auch das Climate Service Center Germany, eine Einrichtung des Helmholtz-Zentrums Geesthacht (HZG), miteinbezogen. Hierfür wurde Anfang 2017 ein entsprechender Kooperationsvertrag zwischen der BIS Wirtschaftsförderung Bremerhaven und dem HZG unterzeichnet. Das HZG verfügt mit seinem Climate Service Center Germany (GERICS) über wissenschaftlich fundierte prototypische Produkte und Dienstleistungen, die bei der Anpassung an den Klimawandel unterstützen. Schwerpunkt der Zusammenarbeit ist der sogenannte „Stadtbaukasten“ der Wissenschaftler. Darin finden sich verschiedene Module wie z.B. das Modul „Klimainformation“, das Informationen über erwartete Klimaveränderungen in der Stadt enthält und die Grundlagen für notwendige Anpassungsmaßnahmen bildet. Die Kooperation der Wissenschaftler und der Wirtschaftsförderungsgesellschaft setzt unmittelbar an die vom Land und den Stadtgemeinden Bremen und Bremerhaven entwickelte Klimaanpassungsstrategie an, die Lösungsansätze für den vorsorgenden Umgang mit Klimafolgen aufzeigt und geeignete Anpassungsmaßnahmen benannt hat.

GERICS hat jetzt einen Bericht vorgelegt, in dem für die Klimaanpassungsstrategie des Landes Bremen vorliegenden regionalen Klimainformationen mit einem Ensemble regionaler Klimaprojektionen der sogenannten EURO-CORDEX-Initiative verglichen, mit neuen Ergebnissen ergänzt und Auswirkungen auf Bremerhaven abgeleitet werden.

Wie sich das Klima verändern wird

In dem Bericht wird festgehalten, dass der Temperaturanstieg als Folge des Klimawandels auch im Norden Deutschlands messbar sei. Seit dem Beginn der Temperaturaufzeichnungen im Jahr 1881 sei das Jahresmittel der Lufttemperatur in Bremen und Bremerhaven um rund 1,3°C angestiegen. Sieben der zehn wärmsten Jahre würden seit dem Jahr 2000 gemessen.

Ein Vergleich der bisher für Anpassungsmaßnahmen verwendeten regionalen Klimainformationen zeige auf, dass eine größere Bandbreite möglicher zukünftiger Entwicklungen zu erwarten sei. Dies sei für alle weiteren  Planungsprozesse von hoher Relevanz. Generell sei davon auszugehen, dass sich die Klimaparameter moderat verändern werden. Es zeige sich eine Zunahme der mittleren Jahrestemperatur. Dieser Anstieg sei tendenziell in allen Jahreszeiten möglich. Auch bei der Anzahl der Sommer- und Hitzetage sei eine ansteigende Tendenz möglich. Aus diesem Grund solle der Themenkomplex „Hitze in der Stadt und mögliche Anpassungsmaßnahmen“ in zukünftigen Projekten stets miteinbezogen werden.

In Bezug auf die Niederschlagsmengen weisen die Modellergebnisse auf nur geringe Veränderungen hin. Die tendenzielle Zunahme der Starkregenereignisse bei nahezu unveränderten Niederschlagsmengen sei ein Hinweis auf mögliche Veränderungen bei den Niederschlagsmustern. Diese Entwicklung würde sich auf den gesamten lokalen Wasserhaushalt auswirken. Durch die Erhöhung der mittleren Temperatur bestehe eine Tendenz zu einem früheren Start der Vegetationsperiode, wodurch sich auch ihre mittlere Länge vergrößern würde. In Bezug auf die mittlere Windstärke seien nur geringere Veränderungen zu erwarten.

Auswirkungen des Klimawandels auf den lokalen Wasserhaushalt

Für alle wasserbezogenen Fragestellungen im Bereich Bremerhaven solle beachtet werden, dass die Auswirkungen des Klimawandels in vielfacher Weise den lokalen Wasserhaushalt beeinflussen könnten. Durch die globale Erwärmung würde sich der Wasserkreislauf intensivieren. Damit seien auch Änderungen bei der Häufigkeit und Intensität von Starkniederschlägen und damit einhergehend von urbanen Überflutungen  zu erwarten. Höhere mittlere Temperaturen, einschließlich der Trend zu einem Anstieg der jährlichen Anzahl der Sommertage, würde zu höheren Verdunstungsraten führen. In Verbindung mit einem gleichbleibenden bis steigenden Trend für die Anzahl der Starkregenereignisse und damit einhergehend einem erhöhtem Oberflächenabfluss, würde sich dies insgesamt negativ auf den Jahresgang der Grundwasserneubildung auswirken. In Folge dessen könne sich die Grundwasserschwankungsbreite erhöhen und der mittlere Grundwasserstand verschieben. Generell hänge das Ausmaß der Auswirkungen jedoch stark von den hydraulischen und hydrogeologischen Eigenschaften sowie der Mächtigkeit der Grundwasserleiter ab. Zuverlässige Angaben zur zeitlichen Entwicklung seien anhand der vorliegenden Informationen allerdings nicht möglich. Für den lokalen Wasserhaushalt spielten auch die Wasserstände der Nordsee und der Unterweser eine wichtige Rolle, da diese das Gefälle zu den Sielen, die zur Entwässerung der Küstenniederungsgebiete dienen, beeinflussen. Für die Nordsee zeigen Beobachtungen, dass der Meeresspiegel zwischen 1,6 und 1,8 mm pro Jahr ansteigt. Es seien allerdings keine systematischen Veränderungen des Meeresspiegels über einen längeren Zeitraum erkennbar. Aussagen über zukünftige Entwicklungen seien sehr unsicher, insbesondere als Folge von Unsicherheiten hinsichtlich zukünftiger Änderungen im Windklima. Während viele der großen Flüsse in Deutschland einen deutlich steigenden Trend der jährlichen Höchstabflüsse zeigten, sei dies bei der Weser weniger stark ausgeprägt.

Derzeit wird der Bericht der Wissenschaftler von den Bremerhavener Wirtschaftsförderern ausgewertet und dann in die weiteren Planungen miteinbezogen. Den vollständigen Bericht des Climate Service Centers finden Sie hier. Hintergrundpapiere zur Klimaanpassungsstrategie des Landes Bremen können Sie hier herunterladen.

 


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