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Schwammzucht zum Wohl von Mensch und Natur

Schwämme sind vielseitig einsetzbar. Sie haben antibaktriellen Eigenschaften, enthalten wertvolles Collagen als Eiweiß und kommen sogar in der Badewanne zum Einsatz. Allerdings: In der Natur kommen Schwämme nur begrenzt vor.

Um die Unterwasser-Schätze zu schützen, arbeitet das Bremerhavener Zentrum für Aquakulturforschung (ZAF) daran, Schwämme in landgestützter Aquakultur zu züchten. „Das ist weltweit noch keinem gelungen“, sagt Dr. Melanie Schiffer-Harms, seufzt dabei und lacht gleichzeitig. Der Grund für ihren emotionalen Zwiespalt ist nachvollziehbar. Schwämme sind extrem schwierig zu züchten und stellen hohe Anforderungen an ihr Umfeld. „Man könnte sagen, dass Schwämme schnell mal schmollen“, sagt die Wissenschaftlerin, die mit dem ZAF zum Bremerhavener Alfred-Wegener-Institut für Polar- und Meeresforschung gehört.

Seit 2018 forscht sie gemeinsam mit ihrer Kollegin Dr. Karin Schievenhöfel an der Zucht von Schwämmen. Die Tiere kommen aus dem Mittelmeer und werden aus Griechenland und Italien in Wassertüten und Kühlboxen geschickt. Im ZAF geht es dann an die Aufgabe, die Schwämme zum Überleben und zum Wachsen zu bringen. „Überleben haben wir schon geschafft. Am Wachstum arbeiten wir noch mit verschiedenen Parametern“, sagt Melanie Schiffer-Harms.

Nur mehrere Zentimeter groß sind die Schwämme für das Zuchtprojekt. Trotzdem sind die Ansprüche der Wasserfiltrierer groß. „Schwämme brauchen nicht nur eine bestimmte Wassertemperatur, sondern abhängig von der Tiefe ihres Meereslebensraumes auch eine bestimmte Lichtstärke und damit verbunden Lichtfarbe. Außerdem kommt es noch auf den Salzgehalt des Wassers an und die Stärke der Strömung“, erklärt Karin Schievenhöfel. „Das alles haben wir schon ganz gut hinbekommen.“

Neue Wege

Wurden die Schwämme bisher per Pipette mit einer Mischung aus Mineralstoffen und Eiweißen beträufelt, gehen die beiden Forscherinnen nun neue Wege. „Wir haben eine zweite Schwammart dazu genommen und gleichzeitig die Art der Nahrung umgestellt. Die Schwämme bekommen jetzt zusätzlich eine flüssige Algenmischung, die wir hier selbst herstellen“, so die beiden Forscherinnen. Während die bisherige Schwammart viel Collagen enthält, produziert die zweite Schwammart zusätzlich antibakterielle Stoffe. Beides ist für die Medizin sowie die Produktion von Nahrungsmitteln oder Kosmetik wichtig.

„Das Erstaunliche am Schwamm ist, dass er sich selbst dann erneut zu eigenständigen Lebewesen entwickelt, wenn das Ursprungstier zerteilt wird. Schwämme haben weder ein Gehirn noch Nerven. Sie besitzen auch kein Verdauungssystem in dem Sinne, sondern filtern ihre Nahrung über Poren aus dem Wasser“, sagt Melanie Schiffer-Harms. Schwämme gehören zu den Ur-Lebewesen der Erde. Die ältesten Fossilien werden auf 760 Millionen Jahre geschätzt.

Sind die beiden Forscherinnen erfolgreich, könnten Schwämme in Aquakultur nachgezüchtet werden, indem ein einziges Exemplar in mehrere kleine Unterexemplare zerteilt wird. Die Wohnraumbedingungen für die anspruchsvollen Meeresbewohner haben Melanie Schiffer-Harms und Karin Schievenhöfel schon erfolgreich geschaffen. „Der Collagen-Schwamm hält sich vor der griechischen Küste gern in antiken Amphoren oder Scherbenresten auf. Wir haben ihn in Tontöpfe gesetzt und in große Muschelschalen. Bisher kamen keine Beschwerden“, lacht Karin Schievenhöfel.

Wie es weitergeht…

Dass die Schwämme sich im ZAF inzwischen so wohl fühlen, dass sie nicht eingehen, ist ein großer Erfolg. Im nächsten Schritt sollen die nützlichen Tiere dauerhaft zum Wachsen gebracht werden. Während das erste Projekt mit einem privaten Partner auf nationaler Ebene durchgeführt wurde, läuft die neue Projektphase auf europäischer Ebene unter dem Oberbegriff Blue Bio: Medspon, als Abkürzung für Medizin und Sponge für Schwamm.

Der Plan für die Zukunft: „Wir werden versuchen, die Schwämme in einer Polykultur zu züchten. Statt die Algen über Flüssigkeit zuzuführen, leben sie direkt im Wasser und das gemeinsam mit Shrimps, von denen die Schwämme durch die Nährstoffe der Exkremente auch profitieren“. Melanie Schiffer-Harms und Karin Schievenhöfel stehen über einem Wasserbecken und betrachten ihre Zöglinge. „Noch wachsen sie nicht – aber hoffentlich dann. Wir sind gespannt.“

Weitere Projekte zum Schutz unserer Weltmeere

Das Projekt Blue Bio: Medspon ist eines von zahlreichen Projekten in und um Bremerhaven, welche sich mit dem Schutz unserer Unterwasserwelt befasst. Die weltweit steigende Nachfrage nach Fisch beispielsweise erfordert trotz Fischerei und Aquakultur alternative Ansätze in der Lebensmittelproduktion. Ein weiteres Beispiel ist die Gefährdung von Wasser und Land durch den Plastikmüll, der durch unzählige Verpackungen stetig steigt. Eine essbare Lebensmittelverpackung aus Algen soll Abhilfe schaffen. Diese und weitere spannende Beiträge zu Themen wie Nachhaltigkeit, Klimaschutz, erneuerbare Energien und vieles mehr finden Sie hier auf unserem Blog.


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