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Hochschule Bremerhaven
Energieeffizienz, Neues aus Forschung, Bildung, Wissenschaft

Energiekonzept für sanierungsbedürftiges Haus

Studierende der Hochschule Bremerhaven kooperieren mit der Lernbaustelle „Bürger 218“

Studierende des Studiengangs Gebäudeenergietechnik (GET) an der Hochschule Bremerhaven dürfen sich im Rahmen ihres Wahlpflichtfachs über eine besondere Kooperation freuen. Statt anhand fiktiver Beispiele das Erstellen von Energiekonzepten zu üben, simulieren sie die möglichen Ergebnisse energetischer Sanierung am realen Objekt. In Zusammenarbeit mit Architektin Hannah Kordes und unter Anleitung von Studiengangsleiter Prof. Dr. Thomas Juch entsteht so ein Bericht, der der Eigentümergemeinschaft der Bremerhavener „Bürger 218“ ihre Möglichkeiten bei der Gebäudesanierung aufzeigen soll.

In Leben gerufen wurde die Kooperation von Miteigentümerin Fiona Brinker und GET-Studienpatin Hanna Bolinius. „Frau Brinker hat mich auf Instagram angeschrieben und von der Baustelle und den Plänen erzählt. Ich habe dies noch am gleichen Tag an Prof. Juch weitergeleitet. Er war sofort interessiert, einen Wahlpflichtkurs aus dem Projekt zu machen“, so die Studentin. Doch nicht nur die Studierenden engagieren sich in dem Projekt, das in der Stadt unter dem Namen „Werk“ bekannt ist. Eine Vielzahl an Menschen arbeitet auf der Baustelle mit und bringt Ideen ein. Projektkoordinatorin ist die Architektin Hannah Kordes. Sie arbeitet für die Initiative „Kreativer Aufbruch“, bei der Kreative sich miteinander vernetzen und gemeinsame Projekte starten können. „Ich finde es spannend, Bauen neu zu denken. Häuser in diesem Zustand bieten immer die Chance, sie direkt mit Blick auf den Klimaschutz zu sanieren“, so Kordes.

Das Gebäude in der Bremerhavener „Alten Bürger“ stand elf Jahre leer und ist komplett sanierungsbedürftig. Dabei sind nicht nur zahlreiche Wasserschäden und Schimmelbildung ein Problem. Sogar wichtige Leitungen, bspw. für die Wasserver- und –entsorgung fehlen derzeit. An dieser Stelle kommt der Studiengang Gebäudeenergietechnik ins Spiel. „Die Studierenden schaffen eine versorgungstechnische Infrastruktur. Sie müssen sich überlegen, welche Art der Versorgung in diesem Gebäude am geeignetsten und dennoch finanzierbar ist“, erklärt Prof. Juch. So sei eine zentrale Wärmeversorgung sinnvoll, an die jede Wohneinheit nachträglich angeschlossen werden kann – je nach individuellem Renovierungsstand der Eigentümerinnen und Eigentümer. Gleichzeitig empfiehlt die Studierendengruppe eine dezentrale elektrische Warmwasserbereitung. „Das mag zunächst nicht besonders nachhaltig klingen, ist in diesem Falle unserer Meinung nach aber die beste Lösung. Auf diese Weise erreichen wir nicht nur ein Höchstmaß an Hygiene, sondern ermöglichen es auch, die Wohnungen dezentral zu sanieren.“ Der Strom für das warme Wasser soll von einer Photovoltaikanlage auf dem Dach des Gebäudes produziert werden. Auch Tipps zur effizienten Wärmeerzeugung, zu Lüftungsanlagen und Gebäudedämmung haben die Studierenden auf Grundlage von Simulationen entwickelt.

Das fertige Energiekonzept ist gleichzeitig auch die Prüfungsleistung des Wahlpflichtfachs. Eine professionelle Beratung ersetzt dieses jedoch nicht. „Wir wollen Energieberatungen und Ingenieurbüros nicht die Arbeit wegnehmen“, betont Prof. Juch. „Unser Konzept soll den Eigentümerinnen und Eigentümern nur zeigen, was sie bei der energetischen Sanierung des Gebäudes bedenken sollten und welche Möglichkeiten sie haben. Damit können sie dann zu den entsprechenden Anbietern gehen und sich detailliert bezüglich der Umsetzung beraten lassen.“ Um die Sanierung des Gebäudes finanzieren zu können, wurde durch den Hausverein eine Crowdfunding-Aktion ins Leben gerufen.

Im Studiengang Gebäudeenergietechnik steht die energieeffiziente, nachhaltige Versorgung von Gebäuden mit Wärme, Luft, Kälte und anderen Medien im Fokus. Die Studierenden lernen an praktischen Beispielen, wie sie Behaglichkeit im Gebäude, energetische, funktionale und wirtschaftliche Aspekte sowie die bestmögliche Einbindung regenerativer Energien gleichzeitig in die Sanierung einfließen lassen können. Dabei wird immer der gesamte Lebenszyklus eines Bauwerkes betrachtet. Durch die Vernetzung der Lehrenden mit der regionalen Wirtschaft entstehen regelmäßig Kooperationen mit externen Partnerinnen und Partnern.


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