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Insektenprojekt der Hochschule Bremerhaven

Quelle: Kai Martin Ulrich, Hochschule Bremerhaven

GREEN SCIENCE, Neues aus Forschung, Bildung, Wissenschaft

Mehlwürmer als Alternative für Tierfutter

Insektenprojekt der Hochschule Bremerhaven für Forschungspreis nominiert

Sie gelten als nachhaltige Alternative zu Rind, Schwein oder Geflügel: Insekten. Besonders in Bezug auf die wachsende Weltbevölkerung und den damit verbundenen Anstieg der Lebensmittelproduktion sind sie eine wichtige Proteinquelle. Auch in Tierfutter könnten sie zu einem geringeren Einsatz von Soja oder Fischmehl führen und auf diese Weise wichtige Ressourcen schonen. Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler der Hochschule Bremerhaven suchen daher nach Möglichkeiten, wie sich Insekten für die Futterproduktion industriell aufziehen lassen. Die Erkenntnisse sollten nicht nur die Einsatzmöglichkeiten als Proteinträger in der Ernährung von Nutztieren absichern, sondern auch erstmals nachweisen, dass sich durch die Automatisierung der Aufzucht Insektenproteinmehl in großen Mengen produzieren lässt. Diese Idee hat die Arbeitsgemeinschaft industrieller Forschungsvereinigungen (AiF) überzeugt: Das Projekt „Funktionsmuster einer industriellen Produktions- und Fraktionierungsanlage (Fett + Protein) von Insekten“ wurde nun für den Otto von Guericke-Preis der AiF nominiert.

Automatisierte Abläufe im Fokus

Derzeit erfolgen viele Arbeitsschritte bei der industriellen Insektenaufzucht noch manuell, was diese sehr kostenintensiv macht. Nur automatisierte Abläufe würden den Einsatz von Insekten auch für Unternehmen interessant und die Produkte für die Verbraucherinnen und Verbraucher günstiger machen. „Die Automatisierung ist in diesem Bereich bisher zu einem großen Teil noch nicht ausreichend erforscht“, weiß Projektleiter Prof. Dr. Rainer Benning. An der Hochschule wurde daher eine Anlage in Modellgröße aufgebaut. In dieser werden Mehlwürmer gemästet und automatisch von Futterresten und Ausscheidungen befreit. Auch die Klimatisierung, die eine effiziente, optimierte Aufzucht gewährleistet, erfolgt automatisiert – mit Erfolg. „Mehrere kleine und mittelständische Unternehmen konnten bereits aus den Ergebnissen einen erheblichen Nutzen ziehen, z.B. für den Aufbau von Kleinanlagen bei Start-Ups oder die Skizzierung von Verfahrensschemen zur Angebotserstellung von Anlagenherstellern“, so Prof. Benning.

Insekten als umweltfreundliche Proteinquelle

Dass Insekten eine gute Proteinquelle sind, wurde schon häufig wissenschaftlich nachgewiesen. Auch gibt es im Handel Produkte wie Insektenburger oder Fischfutter mit entsprechenden Zusätzen. Ihr Einsatz in der Lebensmittelindustrie könnte nicht nur helfen, die Ernährung der Weltbevölkerung zu sichern, sondern ist auch umweltfreundlich. „Der ökologische Fußabdruck von Insekten als Nahrungsquelle ist sehr gut – viel besser als von Fleisch oder Soja. Außerdem können die Proteine nahezu 1:1 verstoffwechselt werden“, erklärt Prof. Benning. Erste Fütterungsversuche wurden durch einen Kooperationspartner bereits durchgeführt. „Der Einsatz in der Aquakultur funktioniert sehr gut“, so Prof. Benning. Hier dürfen seit 2017 Insekten als Futtermittel verarbeitet werden. Auch Geflügel, Schweine, Hunde und Katzen durften bereits Futter mit der neuen Zutat testen. Dabei zeigte sich, dass nicht alle Tiere gleichermaßen positiv auf das Futter reagieren. „Katzen sind noch skeptisch. Wir vermuten, dass es am Geschmack liegt. Hier muss noch an der Zusammensetzung gearbeitet werden.“ Wenn die Akzeptanz steigt, könnten bald also auch Haustiere nachhaltiger mit tierischen Proteinen versorgt werden.

Anschlussprojekt soll den Nährstoffgehalt beeinflussen

An der Hochschule Bremerhaven läuft derzeit ein Anschlussprojekt, in dem untersucht wird, inwieweit sich der Nährstoffgehalt von Insekten durch Anpassungen bei der Fütterung beeinflussen lässt. Sollte dies funktionieren, könnten bald Fütterungsstrategien entwickelt und Insekten somit spezialisiert für ihren Einsatz aufgezogen werden. Ob sie sich mit ihren Aktivitäten gegen die anderen beiden Finalteams durchsetzen konnte, erfährt die Forschungsgruppe voraussichtlich Anfang Dezember. Dann wird der mit 10.000 € dotierte Otto von Guericke-Preis in Berlin verliehen.


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