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Spedition möchte CO2-Ausstoß senken

Auf Mission gegen die Emission – das ist die Firmenphilosophie der Bremerhavener Spedition Brüssel & Maas. Um den CO2-Ausstoß ihrer Lkw-Flotte zu reduzieren, testet das Unternahmen aktuell ein neuartiges Aerodynamiksystem. Die Konstruktion wird hinten am Trailer montiert und spart bis zu 1,8 Liter Diesel auf 100 Kilometer ein.

Neuartiges Aerodynamiksystem im Test

Fahrer Ralf Horstmann steht im Fischereihafen am Trailer seines Sattelzuges und sieht fasziniert zu, wie das vollautomatische Heckflügelsystem nach einem Knopfdruck an der Konsole aufklappt. „Das war jetzt manuell“, erklärt er. „Normalerweise öffnen sich die Heckflügel hinten am Trailer automatisch ab einer Geschwindigkeit von 60 Stundenkilometern. Bei langsamerem Tempo legen sie sich wieder glatt an die Trailer-Rückseite an.“

Erfunden haben das neuartige Aerodynamiksystem die beiden Aachener Jungingenieure Dr. Ingo Buffo und Rainer Martin. „Wir haben bei Regen auf der Autobahn hinter einem Lkw den Wasserwirbel gesehen und realisiert, wie viel unnötigen Luftwiderstand dieser rechteckige Aufbau hat“, erklären die beiden Tüftler. „Betterflow“ haben sie ihre Erfindung und ihre Firma genannt. Der Name ist Programm. Eine zusätzliche Unterbodenverkleidung und ein Vorflügelsystem für die Stirnwand des Trailers optimieren die Aerodynamik zusätzlich.

„Unsere Berechnungen haben ergeben, dass sich erst ab 60 Stundenkilometern signifikante Einsparungen beim Treibstoff und damit bei den Emissionen erzielen lassen“, erklären die beiden Ingenieure. Zudem sei der Vorteil des automatischen Systems, dass die geschlossenen Flügel keine Probleme beim Rangieren an Laderampen oder auch bei geltenden Sicherheitsvorschriften in geschlossenen Ortschaften einiger EU-Länder machen würden. Ingo Martin: „Der Lkw-Fahrer kann schlichtweg nicht vergessen, die Heckflügel zu schließen, weil sie es automatisch tun.“

„Wir setzen das System ein, weil es derzeit wirklich die einfachste und vor allem eine existierende Möglichkeit ist, etwas gegen den CO2-Ausstoß im Lkw-Verkehr zu tun“, erklärt Ulf Brüssel, Geschäftsführer der Spedition. Um die Einsparungen bei Diesel und Emissionen nachweislich zu belegen, hat das Betterflow-Team einen beachtlichen Aufwand betrieben. „Wir haben in 2020 insgesamt 60 Lkw unserer Partner auf der Straße gehabt. 30 Trucks mit Betterflow-Systemen und 30 Referenz-Trucks ohne unsere aerodynamischen Bauteile“, erklärt Betterflow-Geschäftsführer Dirk Sieprath.

Fast 2 Liter Treibstoffersparnis auf 100 km

Insgesamt 4,3 Millionen Kilometer sind die Trucks in der EU und Großbritannien auf der Langstrecke gefahren. Dokumentiert wurden über FMS-Datenlogger und GPS-Systeme unter anderem die Fahrtgeschwindigkeit, das Fahrverhalten, Parameter wie Lufttemperatur, Wetter und Windgeschwindigkeit, die Fahrtstrecken und natürlich der Kraftstoffverbrauch. „Auf Basis der Tests haben wir unsere Aero-Systeme für Heck, Unterbau und den vorderen Trailerteil weiter verbessert. Inzwischen liegen wir bei 1,8 Litern Treibstoffersparnis auf 100 Kilometer“, erläutert Dirk Sieprath.

Der Vorteil für Speditionen liegt auf der Hand. Zwischen 8000 Euro und 9000 Euro kostet das komplette Betterflow-Set. Auf der Langstrecke ergeben sich entsprechende Einsparungen bei den Spritkosten. „Dazu kommt aber ganz wesentlich, dass sowohl Deutschland als auch die EU ab 2023 über die Mautsysteme den CO2-Austoß von Lkw regulieren. Wer mehr Emissionen verursacht, muss auch mehr bezahlen und hat den finanziellen Nachteil“, so Sieprath.

Das weiß auch die Spedition Brüssel, die nicht nur in Deutschland sondern europaweit fährt. Insgesamt hat das Unternehmen 35 Lkw im Einsatz. „Wir werten in den kommenden zwei Wochen unsere Aufzeichnungen im Test-Lkw aus und überlegen dann, ob wir das Betterflow-System für unsere Flotte einsetzen“, so Ulf Brüssel. Dazu würde dann auch die Montage der Unterbodenverkleidung gehören, die den Luftwiderstand unten am Trailer zusätzlich reduziert.

Ein weiterer Punkt in der notwendigen Einsparung von CO2-Emissioen ist die unlängst beschlossene EU-Abgasnorm für Lkw. Demnach müssen Lkw-Hersteller bis 2025 den CO2-Ausstoß neuer Lkw um 15 Prozent im Vergleich zu 2019 senken und bis 2030 sogar um 30 Prozent. Rainer Buffo und Ingo Martin: „Die einfachste Lösung läuft über den Luftwiderstand. Verbessern wir die Aerodynamik von Lkw, senkt sich der Kraftstoffverbrauch von selbst.“ Das hat inzwischen auch die Bundesregierung erkannt.

Verbesserte Aerodynamik wird gefördert

In den Bundeshaushalt 2021 wurde neben der Förderung von neuartigen Antrieben auf Basis von Strom oder Wasserstoff für Lkw erstmals auch die Aerodynamik aufgenommen. „Die maximale Fördersumme von 5000 Euro pro Trailer zeigt, wie ernst die zuständigen Gremien die Verbesserung der Aerodynamik am Lkw nehmen“, betont Dirk Sieprath. Schließlich müsse der Lkw bei der Einsparung von Emissionen als Ganzes betrachtet werden und nicht nur dessen Antrieb. Dabei gehe es heute vor allem um eine kurzfristig erreichbare und effektive Lösung beim CO2-Austoß – zukünftig aber auch um Energieersparnis bei Elektro- und Wasserstoffantrieben.

„Denn der Luftwiderstand bleibt der Luftwiderstand und Emissionen verursachen alle Antriebsarten. Ob nun bei der Verbrennung oder der vorherigen Produktion der Energieart- auch vor allem bei der Betrachtung der Gesamt-CO2-Bilanz“, betonen Ingo Martin und Rainer Buffo und sehen wieder ihren gemeinsamen Moment auf der Autobahn im Regen hinter dem Lkw. “Da hilft nur eins: Verbesserung der Aerodynamik.“

Dazu Ulf Brüssel: „Mir stellt sich gar nicht die Frage, ob wir etwas tun müssen, um den CO2-Ausstoß zu senken. Das ist eine Selbstverständlichkeit – allein schon aus Verantwortung der Natur und unseren Kindern gegenüber. Als Lkw-Spedition wollen wir unseren Beitrag dazu leisten – wo immer das auch möglich ist.“


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