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Nils Schnorrenberger BIS

BREMERHAVEN, Nils Schnorrenberger, Geschäftsführer BIS Bremerhavener Gesellschaft für Investitionsförderung und Stadtentwicklung mbH (BIS) © Joerg Sarbach

Best Practices aus der Wirtschaft, GREEN CITY, GREEN PORT, Netzwerken

Bremerhaven: Wirtschaftliche Auswirkungen durch Corona

Ein Jahr Corona. Welche Folgen hat die Pandemie auf das wirtschaftliche Leben in der Seestadt gehabt? Wie geht es weiter – und was macht Hoffnung? Antworten von Nils Schnorrenberger, dem Chef der Wirtschaftsförderung BIS.

1. Welche Auswirkungen hat die Corona-Pandemie bislang auf die Wirtschaft in der Seestadt gehabt?

Wir stellen fest, dass die Zahl der Arbeitslosen im Vergleich zum Vorjahresmonat leicht angestiegen ist, von 12,9% auf 13,8 %. Ein noch stärkerer Anstieg konnte bisher dadurch vermieden werden, dass insbesondere das Instrument der Kurzarbeit umfangreich eingesetzt wurde. Natürlich werden die Corona-Hilfen auch ihre positive Wirkung dort entfaltet haben, wo diese Hilfen gewährt werden konnten. 

Ein Standort wie Bremerhaven, der stark vom Tourismus, aber auch von weltweiten Logistikketten und der maritimen Wirtschaft abhängt, ist in besonderer Weise von der Pandemie betroffen. Die langfristigen Auswirkungen werden wir erst mit dem Ende der Pandemie überblicken können.

2. Welche Branchen sind besonders hart betroffen?

Wie überall sind Einzelhandel, die Gastronomie, der Großhandel, der Tourismusbereich, die maritime Wirtschaft, Logistikdienstleistungen, die Kreativwirtschaft und der Gesundheitssektor besonders betroffen. Die BIS setzt die Fördermaßnahmen des Landes Bremen sowie des Bundes in Bremerhaven um. Bereits Ende März 2020 begann die Unterstützung durch die Soforthilfe des Landes, die dann durch die Soforthilfe des Bundes abgelöst wurde. Anschließend folgten die verschiedenen Programme der Überbrückungshilfen I, II und III, die November-Hilfen, gefolgt von den Dezember- und Plushilfen. Jetzt hat sich der Bund entschieden, auch einen Härtefallfonds aufzulegen. 

3. Welche Branchen konnten sich gut behaupten und warum? 

Nach unserer Wahrnehmung gibt es nur außerordentlich wenige sogenannte „Krisengewinner“. Der Großhandel für Sanitär- und Hygienebedarf hat mit Sicherheit im letzten Jahr mehr Umsatz gemacht als in den Jahren zuvor. Gleiches dürfte auch für medizinische Labore gelten. Auch die Produzenten von Tiefkühlkost in Bremerhaven konnten einen gesteigerten Umsatz verzeichnen.

4. Gibt es positive Erkenntnisse, die Sie aus der Covid-19-Zeit gewonnen haben?

Da muss man schon ein wenig länger nachdenken. Ich habe die Hilfsbereitschaft insbesondere zu Beginn der Pandemie, das zunächst unbürokratische Vorgehen bei der Unterstützung als sehr positiv empfunden. Wir wurden durch die Pandemie gezwungen, uns mit anderen Kommunikationsmitteln und Wegen der Kommunikation auseinanderzusetzen. Die uns viel Zeit sparen, das Arbeitsleben flexibilisieren und vor allen Dingen Reisezeit und –kosten minimieren. 

Trotzdem überwiegt, dass mir der persönliche Austausch fehlt. Im privaten Umfeld kann ich sagen, dass ich durch viele Spaziergänge die Region noch deutlich besser kennengelernt habe.

5. Wann erwarten Sie erste Ansiedlungen im Lune Delta, Deutschlands vielleicht nachhaltigstem Gewerbegebiet?

Im Jahr 2023.

6. Beeinträchtigt die Corona-Pandemie Ihre Ziele in Bezug auf Green Economy?

Nein. Das einzige, was uns beeinträchtigt, ist zurzeit die etwas eingeschränkte Kommunikation mit den beauftragten Ingenieurbüros.

7. Es gibt aktuell viele „Baustellen“, die in der Öffentlichkeit diskutiert werden. Von der Innenstadt-Belebung über Karstadt über die drohende Insolvenz der Lloyd-Werft bis zum Neubau der Najade oder den Umbau des Kreuzfahrt-Terminals. Welche Baustelle hat für Sie Priorität?

Ich würde hier keine Priorität setzen. Jede einzelne Maßnahme dient zur Sicherung und Entwicklung des attraktiven Lebens und Arbeitsstandortes Bremerhaven. Ein leerstehendes KARSTADT-Gebäude in der Innenstadt gilt es auf jeden Fall zu verhindern. Ebenso natürlich auch die Schließung der Lloyd Werft. Das sind Projekte, die man nicht auf die lange Bank schieben kann. Man ist dabei aber auch von Entscheidungen Dritter abhängig. 

Neue Projekte wie den Bau der „Najade“ oder auch andere Maßnahmen zur Verschönerung des Wirtschafts- und Tourismus-Standortes Bremerhaven dürfen auch bei schwierigen Haushaltslagen nicht vernachlässigt werden. Dies gilt auch für den Ausbau der wissenschaftlichen Einrichtungen.

8. Sie sagten vor einigen Monaten, dass Wirtschaftsförderung und Stadtmarketing nicht mehr voneinander getrennt gesehen werden können. Passiert in der touristischen Vermarktung der Seestadt aus Ihrer Sicht aktuell genug?

Ja, es passiert aus meiner Sicht genug. Generell gilt: Wirtschaftsförderung, Standortmarketing, Stadtmarketing und touristisches Marketing sowie generell die Stadtentwicklung sind nicht mehr voneinander zu trennen. Ein Wirtschaftsstandort ist für Unternehmen nur so attraktiv, wie auch die gesamte Stadt, der gesamte Standort als lebenswert wahrgenommen wird. Vor dem Hintergrund der demografischen Entwicklung sind wir in einem sehr viel stärkeren Wettbewerb mit anderen Standorten um Arbeitskräfte. Die Verfügbarkeit von Arbeitskräften ist wiederum für Unternehmen ein entscheidendes Standortkriterium.

Darum setzen wir uns so stark für den Ausbau der Hochschule Bremerhaven ein, um junge Menschen an die Stadt Bremerhaven schon bereits über die Ausbildung zu binden. Parallel bedarf es einer positiven, attraktiven Stadtentwicklung, um auch als lebenswerte und liebenswerte Stadt wahrgenommen zu werden.

9. Im Fokus der öffentlichen Debatte steht auch das Deutsche Schifffahrtsmuseum und der viel diskutierte Zustand der Museumsflotte. Was erwarten Sie in 2021?

Ich erwarte ein Struktur- und Entwicklungskonzept für das Deutsche Schifffahrtsmuseum und auch Beschlüsse über die Sanierung der Museumsflotte. Die Situation beim Deutschen Schifffahrtsmuseum wurde ausführlich und ausreichend analysiert. Jetzt gilt es, nach vorne zu schauen und Vorschläge für eine Optimierung zu erarbeiten.

10. Welches ist Ihr wichtigstes persönliches Ziel im Corona-Jahr 2021?

Ich möchte trotz der Beeinträchtigungen durch Corona die wichtigen Projekte voranbringen, um die Entwicklung Bremerhavens voranzutreiben.  Und den Mitmenschen im beruflichen Umfeld, im familiären und freundschaftlichen Bereich mit einer erhöhten Toleranz zu begegnen. Herausforderungen und Anspannungen durch die Corona-Pandemie sind doch für viele Menschen eine enorme Belastung.


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