Nachhaltig wirtschaften, zukunftsfähig wachsen
Festmachen in Bremerhaven
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Nils Schnorrenberger BIS

Bild:© Jörg Sarbach

GREEN CITY

Zweiter Teil des Interviews: Nils Schnorrenberger

„CORONA ÄNDERT DIE ENTWICKLUNG.“

Der Wirtschaftsstandort Bremerhaven hat sich in den vergangenen Jahren extrem gewandelt. Im zweiten Teil des großen Interviews wirft Nils Schnorrenberger, Geschäftsführer der Wirtschaftsförderungsgesellschaft BIS, einen Blick in die Zukunft. Wird Corona die gute Entwicklung bremsen? 

5 Fragen an Nils Schnorrenberger. Zweiter Teil unserer neuen Interview-Serie.

1) Welche Vision haben Sie vom Wirtschaftsstandort Bremerhaven – wie sieht Bremerhavens Wirtschaft in 2035 aus?

Ich sehe Bremerhaven als florierenden Standort der Wissenschaft und nachhaltiger Unternehmen, etwa für Offshore-Windenergie. Ein Schwerpunkt liegt in der Klimaforschung. Für eine Stadt am Deich ist das Thema Nachhaltigkeit und die Auswirkungen des klimafreundlichen Handelns auf viele Weisen lebenswichtig. Wir wollen den Grundstein legen, Testregion und Kompetenzzentrum für Wasserstoff- und Brennstoffzellentechnologien im Norden zu werden. Wir wollen die Hochschule ausbauen. Wir wollen ein gefragter Standort für Konferenzen werden, denn in unserer Seestadt gibt es Antworten auf die Fragen der Zukunft. Mit dieser Kombination aus Initiativen sollte es uns gelingen, die Zahl der Arbeitslosen deutlich zu senken.

2) Mit welchen Partnern arbeiten Sie dabei zusammen?

Es geht nur Hand in Hand. Alle sind gefragt, um Bremerhaven voran zu bringen: Unternehmen am Standort, das Engagement aus Politik und Verwaltung, der Handelskammer. Die großen Player wie Bremenports oder Stäwog sind wichtig, ebenso unsere Partner in der Wissenschaft. Natürlich auch die Hochschule. Und nicht zuletzt kommt es auch auf die kreativen Köpfe der Stadt an. 

3) Wird Corona diese Entwicklung bremsen?

Nein, ich denke nicht. Die Entwicklung wird sich verändern und wir werden gestärkt die neuen Aufgaben angehen. Bremerhaven lernt. Die Krise bedeutet eine Zäsur: In der Corona-Zeit fragen sich viele nach Sinn und Zweck des Wirtschaftens: Immer mehr Profit? Oder vielleicht doch bessere, sozial und ökologisch vorteilhaftere Problemlösungen für Kunden und andere Stakeholder? Nachhaltigkeit ist ein großes Wort in diesen Zeiten.

Ich denke, dass wir uns künftig stärker in lokalen Strukturen entwickeln werden. Ein Konsumtrend, auf Produkte aus der Region zurückzugreifen, verstärkt sich weiter. Digitalisierung wird ein Thema sein. Und eine neue „Wir-Kultur“: Das gemeinsame Überstehen der Krise verhilft zu einem neuen, achtsamen Umgang miteinander.

4) Das Lune Delta spielt eine wichtige Rolle. Was sind die Vorteile dieses Standorts?

Das Lune Delta ist ein nachhaltiges Gewerbegebiet, in dem energieeffizient sowie ressourcenschonend gewirtschaftet und noch dazu gerne gearbeitet wird – so lautet das Konzept. Realisiert wird es auf einer Fläche im Süden von Bremerhaven, direkt neben dem Naturschutzgebiet Luneplate.

Natürlich fragt man sich, wie Naturschutz und Gewerbegebiet zusammengehen. Tatsächlich stellt das Gewerbegebiet Lune Delta, das von Beginn an als integraler Bestandteil der Lune Landschaft geplant wurde  keinen Widerspruch dar. Hier wird die Bebauung behutsam aus der vorhandenen Landschaft heraus entwickelt: Die Topographie vor Ort – bestimmt von durch Fleete gegliederten Parzellen, Deichrelikten sowie Wasser- und Grünflächen – prägt den Entwurf des Gewerbegebiets maßgeblich. 

Vorhandene Gewässer werden Orte der Erholung, und es entstehen neue Parks sowie Freiflächen, die für ökologische Nutzung, aber auch für Sport- und Freizeitaktivitäten offenstehen. In einem breit angelegten Netz aus Rad- und Fußwegen sind außerdem schnelle Verbindungen ins Grüne oder in die Innenstadt möglich. Zu den Top 10 der wirksamsten Maßnahmen zur Mitarbeitergewinnung und -bindung zählen heute ein attraktives Arbeitsumfeld und eine gute Lage des Unternehmensstandorts. Das Lune Delta bietet beides.

5) Die Außendarstellung Bremerhavens scheint ein Problem zu sein. Wie kann man das ändern?

In dieser Stadt passiert so viel Positives. Wir müssen versuchen, dies stärker zu kommunizieren. Beruflich wie privat bekommen viele Bremerhavener*innen, wenn sie auswärtigen Gästen ihre Stadt zeigen, oft zu hören: „Unglaublich, was Bremerhaven alles zu bieten hat! Das wussten wir gar nicht.“ Daher ist es Zeit, neue Wege zu gehen um veraltete Vorurteile über Bremerhaven aufzubrechen und die überraschenden Seiten der Stadt herauszuarbeiten.

In den nächsten Monaten kommen im Rahmen einer Kampagne Menschen über ihre alte oder neue Heimat zu Wort. Dafür haben wir gemeinsam mit der Stäwog eine Kampagne unglaublich.bremerhaven gestartet. Auf der Website https://unglaublich.bremerhaven.de sowie via Instagram und Facebook werden inspirierende Stories verbreitet, die den Blick auf Bremerhaven verändern sollen.

Zusatzfrage, persönlich: Was macht Bremerhaven für Sie so liebenswert?

Die offenen, ehrlichen und hilfsbereiten Menschen. Wir sind eine Großstadt, aber gefühlt kennt jeder jeden. Es ist die Stadt der kurzen Wege. Ich mag den Hafen, die Meeresluft und leckeren Fisch. Bremerhaven ist unglaublich vielseitig – probieren Sie es aus!

Nils Schnorrenberger, Jahrgang 1964, ist Geschäftsführer der Bremerhavener Gesellschaft für Investitionsförderung und Stadtentwicklung mbH. Er studierte nach dem Abitur in Kiel Agrarwissenschaften und arbeitete danach als Verwalter eines Bio-Bauernhofes in Nordfriesland. Obwohl ihm Freunde abrieten, wechselte er 1993 als Umweltreferent nach Bremerhaven. Sechs Jahre später übernahm er den Geschäftsbereich Wirtschaftsförderung der Bremerhavener Wirtschaftsförderungsgesellschaft (BIS). Seit 2010 ist er Geschäftsführer der BIS. Schnorrenberger ist verheiratet, hat drei Kinder und lebt mit seiner Familie bei Bremerhaven.


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