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Festmachen in Bremerhaven
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CO2-freie Mobilität per Schiff

In Bremerhaven werden Wasserstoff-Autos umgeschlagen

Mehr als zwei Millionen Autos werden jährlich über Bremerhaven verschifft. Damit ist die Seestadt die Autodrehscheibe Nummer Eins in Europa. Auch der koreanische Autohersteller Hyundai nutzt seit vielen Jahren die perfekte Logistik für den Fahrzeug-Export nach Europa. Wenn sich allerdings aktuell die riesige Rampe am Heck manches Autofrachters zum Entladen senkt, ist eine außergewöhnliche und zukunftsweisende Fracht an Bord: Wasserstoff-Autos.

Die Grand Pavo hat an der Kaje im Kaiserhafen festgemacht. 200 Meter lang, über 30 Meter breit – der Autofrachter hat beeindruckende Maße und Platz für mehrere tausend Fahrzeuge in seinem Rumpf. An diesem Morgen kommt das Schiff direkt aus Südkorea. Es bringt Autos der Marke Hyundai, die von Bremerhaven aus per Lkw und Zug auf dem europäischen Markt verteilt werden. Unscheinbar darunter,  aber eine Öko-Perle: der Nexo, das Wasserstoff-Auto von Hyundai.

Über die gewaltige Rampe des sogenannten RoRo-Frachters – Roll on, Roll off – fährt ein Auto nach dem anderen auf das Hafenareal. Die Bremer Lagerhausgesellschaft (BLG) organisiert den Autoumschlag in Bremerhaven und hat alles perfekt durchgetaktet.  Die vormals leere Stellfläche am Schiff und die umliegenden Parkhäuser füllen sich mit fabrikneuen Autos. Einige davon sind mit Brennstoffzellen ausgestattet. In 2020 bringt der koreanische Autohersteller nach eigenen Angaben insgesamt 1000 Nexo-Fahrzeuge auf den europäischen Markt. 400 davon sind für Deutschland bestimmt. Der Stückpreis liegt bei rund 77.000 Euro.

„Hyundai ist derzeit der weltweit einzige Autohersteller, der alle vier Antriebsarten im Programm hat: Benzin, Diesel, Elektromotoren und Wasserstoff-Antrieb“, sagt Bernhard Voss, Sprecher von Hyundai Deutschland.  Aktuell gibt es nur drei Modelle und Hersteller dieser Fahrzeugart: Hyundai,  Toyota und Mercedes. Während Elektroautos direkt über die Batterie mit gespeichertem Strom versorgt werden, stellt im „Nexo“ die Brennstoff-Zelle den elektrischen Strom über eine chemische Reaktion her, versorgt sowohl die Batterie als auch den Antrieb damit. Als Abfallprodukt entsteht im Gegensatz zum Verbrennungsmotor lediglich Wasser.

„Wir sehen das Wasserstoff-Auto als eine mögliche Zukunftstechnologie. Deshalb stellen wir das Modell Nexo her – auch wenn der weltweite Markt dafür noch begrenzt ist. Bremerhaven ist für Hyundai ein sehr wichtiger Anlaufpunkt. Wir verladen hier alle Wasserstoff-Autos für Europa “, so Bernhard Voss. Die Abnehmer sitzen unter anderem in Deutschland, in Frankreich, in den Niederlanden, Norwegen und in der Schweiz.

Der Blick ins Cockpit zeigt, dass der Nexo anders ist, als andere Autos. Das liegt zum einen an der passend futuristischen Gestaltung mit Schaltflächen. „Der Wagen hat ein Automatik-Getriebe. Die üblichen Fahrpositionen werden aber nicht über einen Schalthebel eingestellt, sondern über Tasten“, erklärt Voss. Auch die großflächige Bildschirmanzeige im Cockpit für die Fahrzeugfunktionen mutet wie aus einem fliegenden Mobil aus dem Film „Zurück in die Zukunft“ an. Der größte Unterschied zu einem Fahrzeug mit Verbrennungsmotor: Ein spezielles Fenster zeigt genau an, wo und in welcher Entfernung sich die nächste Wasserstoff-Tankstelle befindet. In diesem Fall: Bremen.

„Die Nexo-Fahrzeuge treffen mit einer kleinen Menge Wasserstoff versorgt hier in Bremerhaven ein. Das reicht, um die Fahrzeuge zu bewegen. Bei Verbrennungsmotoren ist das mit dem Tankinhalt ähnlich“, erklärt Bernhard Voss. Wasserstoff sei zwar das flüchtigste Gas überhaupt. „Aber aus dem Behälter entweicht garantiert nichts. Die Füllung reicht bis zum Weitertransport mit Lkw oder Zug aus.“

In Bremerhaven selbst ist eine Wasserstoff-Tankstelle in Planung. Die örtliche Initiative H2BX will eine entsprechende Zapfstelle für Wasserstoff-Autos im Stadtsüden an der Autobahn 27 etablieren. Als Logistik-Standort für den Lkw-Verkehr könnte das in Bremerhaven zukünftig von Bedeutung sein. Der Hersteller Hyundai bringt derzeit seine Lkw mit Wasserstoffantrieb in Europa in Fahrt. Die Fahrzeuge werden über Antwerpen verschifft und werden zunächst in der Schweiz laufen. Die beachtliche Zahl: 1600 Stück.

 


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