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Intermodalität mit „grünen“ Inhalten füllen

Nachhaltiger Tourismus und Verkehr: Bremerhaven setzt einen Schwerpunkt auf Intermodalität

Eine verbesserte Verkehrs‐ und Tourismuspolitik in Urlaubsgebieten zu etablieren ist das erklärte Ziel des neuen internationalen Kooperationsprojektes „Desti‐Smart“. Seit Mitte 2018 sind zehn Partner aus 9 EU-Ländern auf europäischer Ebene vereint, um die Verkehrs‐ und Tourismuspolitik der EU-Destinationen zu verbessern, indem Strategien für nachhaltige Mobilität, Zugänglichkeit und verantwortungsbewusstes Reisen mit einer effizienten und nachhaltigen Tourismusentwicklung kombiniert werden. Als einziger deutscher Standort ist die Seestadt Bremerhaven mit an Bord. Franziska Stenzel ist die Projektleiterin bei der Erlebnis Bremerhaven GmbH (EBG).

Wofür steht der Begriff Desti-Smart?

Franziska Stenzel: Es geht um Delivering Efficient Sustainable Tourism (DESTI), das heißt effizienter, nachhaltiger Tourismus mit kohlenstoffarmen Verkehrsinnovationen. Im Kern stehen nachhaltige Mobilität, Barrierefreiheit und generell verantwortungsbewusstes Reisen.

Was sind die wesentlichen Ziele dieses EU-Projektes?

Stenzel: Die folgenden dringenden Themen mit dem Fokus auf Klima schonende Umsetzung werden von allen Projektteilnehmern in vier Workshops europaweit in den jeweiligen Städten behandelt:

  • Investitionen in kohlenstoffarme Verkehrssysteme zur Verkehrsträgerverlagerung auf nachhaltige Tourismusmobilität (inkl. Elektromobilität).
  • Intermodalität für Besucher, einschließlich ICT (Information and Communications-Technology) und Mobile Apps & MaaS (Mobility as a Service).
  • Barrierefreier Tourismus und Zugänglichkeit für Alle.
  • Einrichtungen für Radfahrer und Wanderer sowie Werbung für Besucher.

Bremerhaven hat als Gastgeber bereits das Thema der Intermodalität ausgetragen. Als herausragendes Best-Practice-Beispiel gilt die APP des Verkehrsverbundes Bremen/Niedersachsen (VBN), u.a. mit sämtlichen Bus- und Straßenbahn-Fahrplänen für Niedersachsen, Bremen und Bremerhaven, ein 9.400 km² großer Verbundraum. Teilnehmer des Workshops in der Seestadt mit den Gästen aus der EU waren auch Touristiker, Behördenvertreter und Partner aus unseren regionalen Institutionen. Alle Beteiligten stellten ihre jeweiligen „Best Practice“ Modelle vor und tauschten sich über Verbesserungspotenziale für ihre Heimatstädte aus.

Bei unseren europaweiten Workshops gilt das Prinzip, dass jeder von jedem lernen sollte. Der Blick über den Tellerrand und die Diskussionen um neue Mobilitätskonzepte in den verschiedenen Städten und Regionen schärfen den Blick für den eigenen Standort. Das nächste Treffen der Gruppe wird auf Mallorca stattfinden, wo es insbesondere um barrierefreie Konzepte auf der Baleareninsel geht.

Bremerhaven ist einziger deutscher Teilnehmer dieses EU-Projektes. Wie kam es dazu?

Stenzel: Über die beim Referat für Wirtschaft in Bremerhaven angesiedelte EU-Koordinierungsstelle kam im Mai 2017 die Anfrage, ob wir Interesse an dem EU-Projekt Desti-Smart hätten. Die zuständige EU-Referentin Claudia Harms nahm nach  unserer Zusage Kontakt mit dem Leadpartner in Thessaloniki auf und die Dinge nahmen ihren Lauf.

Hilfreich ist sicherlich auch eine Menge Erfahrung. Mit über acht EU-Projekten in meiner 17-jährigen Tätigkeit bei der Erlebnis Bremerhaven GmbH haben sich gute und belastbare Netzwerke entwickelt. Die bei diesem Projekt involvierten Stakeholder vor Ort (s. Daten & Fakten) kennen sich zudem bereits in Teilen aus anderen EU-Maßnahmen.

Aktuell wird das Deutsche Auswandererhaus (DAH), namentlich die stellvertretende Direktorin Ilka Seer, über das Museums-Konzept des DAH für Barrierefreiheit sowie auch für Hör- und Sehgeschädigte Besucher im Rahmen des kommenden Workshops auf Mallorca teilnehmen.

Wie sieht der formale Rahmen aus?

Stenzel: Im Rahmen des aktuellen Projektes stehen halbjährliche regionale Stakeholder Meetings sowie die Teilnahme an interregionalen Workshops, Webinaren und Steering Group Meetings (je 1 Person aus den Teilnehmerländern, ohne Stakeholder) an. Nach jedem Workshop macht der jeweilige Partner zuhause seine Hausaufgaben. Außerdem werden die finanziellen Ausgaben in einem halbjährlichen Report festgehalten. Die Angaben werden durch einen Wirtschaftsprüfer, dem sogenannten First Level Controller, geprüft.

Der Projekt-Leadpartner Thessaloniki erhält dann von allen beteiligten Partnern die Reports und reicht die gesamte Dokumentation bei der EU ein. Nach erfolgreicher Prüfung durch die EU Kommission erhalten die jeweiligen Partner wie Bremerhaven dann die verausgabten Finanzmittel anteilig und zusätzlich den Aufwand für Arbeitszeiten erstattet.

Zur Halbzeit des EU-Projektes soll eine Machbarkeitsstudie vorgelegt werden?

Stenzel: Das Projekt Desti-Smart möchte wie genannt die Verkehrs- und Tourismuspolitik in aufstrebenden Reisezielen verbessern. Dazu wurde bereits im Sommer 2019 eine Befragung zum Mobilitätsverhalten von Touristen und Einwohnern in der Seestadt (wie auch in den anderen Projekt-Städten) durchgeführt. Entlang des Hafenliners in Bremerhaven waren zwei Interviewerinnen unterwegs, um schlussendlich insgesamt 500 beantwortete Fragebögen in den Händen zu halten.

Im Kern der Befragung ging es jeweils um die Mobilität der Befragten, aber auch die Haltung zum Klimawandel, zum Autofahren oder die Zufriedenheit mit der lokalen Infrastruktur sind von Interesse. Besonderes Augenmerk wurde in Bremerhaven auf die Zufriedenheit mit dem öffentlichen Transportsystem gelegt.

Gemeinsam mit unseren regionalen Partnern wurde dann entschieden, eine Machbarkeitsstudie zum „Einsatz von Wasserstoff-Hybrid Bussen auf der Hafenliner Linie“ zu beauftragen. Dieser „Bremerhaven-Bus“ ist seit April 2019 im Einsatz und verbindet die neuen Wohngebiete rund um den Neuen Hafen sowie das Schaufenster Fischereihafen mit der Innenstadt und dem Hauptbahnhof. Die EBG kooperiert hierfür mit Bremerhaven Bus, dem Stadtplanungsamt Bremerhaven, dem Klimastadtbüro und dem Verein „H2BX-Wasserstoff für die Region“.

Die Ergebnisse sollen bis Ende Mai 2020 vorliegen.

Welche weiteren Aktivitäten werden in Bremerhaven stattfinden?

Stenzel: Zurzeit wird im Rahmen von Desti-Smart  in Bremerhaven an der Entwicklung einer Bike-Mobility-APP (Erweiterung des VBN Fahrplaners um Radrouten in 2020 und anschließende Integration in der geplanten Bremerhaven APP) sowie einem Konzept für eine sogenannte „Mobility Card“ (Entwicklung einer TouristCard und Integration von verschiedenen Mobilitätangeboten, z.B. Kombiangebote Museumsbesuch inkl. Busfahrt/Radnutzung vom Hotel zum Museum und zurück) nachgedacht.

Basierend auf den Ergebnissen der besagten Machbarkeitsstudie wird im Juni 2020 ein Aktionsplan für die verbleibende Projektzeit festgelegt. Dafür ist ein Treffen in der Universität Bournemouth geplant.

Parallel wird die Analyse der Mobilitätsbefragung durch die Uni Bournemouth für Bremerhaven ausgewertet. Als Basis dienten zwei gemeinschaftlich entwickelte Fragebögen (für Touristen und Einwohner), die vor Ort um wenige Individualfragen ergänzt wurden. Die Befragung fand parallel in allen neun Partnerländern statt und die Ergebnisse sollen miteinander verglichen werden.

Auch das Festzurren möglicher weiterer Nachfolgeinvestitionen durch EU-Mittel (etwa ein dreiviertel Jahr vor dem Ende des laufenden Projektes) werden besprochen. Das Beratungsunternehmen des griechischen Leadpartners in Thessaloniki bereitet z.B. ein Projekt zum Thema„Kulturtourismus“ vor, und klopft dazu derzeit schon das Interesse möglicher Teilnehmer ab.

Durch die gemeinsame Entwicklung von Best Practice-Methoden entstehen oft genug EU-Folgeprojekte. Ohne diese EU-Finanzmittel wären solche Vorhaben wie Bremerhavens Teilnahme an Desti-Smart nicht denkbar.

Wie kann die Seestadt im Netzwerk der Teilnehmer aktuell und in Zukunft profitieren?

Stenzel: Wir versprechen uns eine deutliche Imageverbesserung für Bremerhaven sowie die Steigerung unseres Bekanntheitsgrades im EU-Raum. Durch den Austausch über die Landesgrenzen hinaus in andere EU-Länder entsteht nicht nur eine inhaltliche Verbundenheit. Die EU-Projekte schweißen außerdem auch die regionalen Stakeholder enger zusammen – manche kennen sich bereits von vorherigen EU-Projekten. Insgesamt sorgt der Netzwerkgedanke für die weitere regionale, überregionale und EU-weite Profilierung Bremerhavens und des Umlandes als touristische Destination.

Daten & Fakten:

Das Förderprogramm Interreg Europe zum Projekt Desti-Smart läuft bis zum 30. September 2022. Erklärtes Ziel dieses europäischen Kooperationsprojektes ist eine verbesserte Verkehrs- und Tourismuspolitik in Urlaubsgebieten. Das Projektmanagement in Deutschland ist bei der Erlebnis Bremerhaven GmbH (EBG) angesiedelt.

Förderprogramm: Interreg Europe

Laufzeit: 14.03.2018 – 30.09.2022

Gesamtvolumen: € 1,92 Mio. (davon bekommt Bremerhaven anteilig 200.000 Euro, belegt mit einer Förderquote von 85%)

Gesamtprojektleitung:  Metropolitan Development Agency of Thessaloniki, Herr Chrysostomos Kalogirou

Beteiligte Regionen und Städte: Thessaloniki/Griechenland, Sardinien/Italien, Funchal (Madeira)/Portugal, Hastings/Großbritannien, Bournemouth/Großbritannien, Bremerhaven/Deutschland, Mallorca/Spanien, Vidzeme/Lettland, Balaton Seengebiet/Ungarn, Paphos/Zypern.

Die Bremerhavener Stakeholder:

  • Referat für Wirtschaft
  • Bremerhaven Bus
  • Deutsches Auswandererhaus (DAH)
  • H2BX Wasserstoff für die Region e.V.
  • Klimastadtbüro Bremerhaven
  • Stadtplanungsamt Bremerhaven
  • BIS Bremerhavener Gesellschaft für Investitionsförderung und Stadtentwicklung mbH
  • Senator für Wirtschaft Arbeit und Häfen
  • Hochschule Bremerhaven
  • Handelskammer Bremen – IHK für Bremen und Bremerhaven
  • DEHOGA Fachverband Bremerhaven

Weitere Informationen unter: https://www.interregeurope.eu/desti-smart/


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