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Best Practices aus der Wirtschaft, Erneuerbare Energien, GREEN SEA, Nachhaltigkeit

Wie nachhaltig ist Tiefkühlkost?

Interview mit Felix Ahlers, Vorstandsvorsitzender der FRoSTA AG

Peter von Frosta, die Markenfigur des mittelständischen Familienunternehmens FRoSTA AG mit traditionsreichem Firmensitz in Bremerhaven, ist lange schon verschwunden. Die Umstrukturierung mit der Einführung des Reinheitsgebotes im Jahr 2003 ist nach anfänglichen Startschwierigkeiten und Umsatzrückgängen erfolgreich. Inzwischen wächst der FRoSTA Markenumsatz nach Unternehmensangaben bereits im 5. Jahr in Folge zweistellig.

Wie nachhaltig sind Tiefkühlprodukte?

Felix Ahlers: Auf den Punkt gebracht: Frischer geht’s nicht. Die Technik des Schockgefrierens unmittelbar nach dem Fang garantiert die beste Art der Konservierung. Die eingefrorene Freilandtomate verursacht als Beispiel im Vergleich um ein Vielfaches niedrigere Co2-Werte als eine Tomate, die im Gewächshaus mit Kunstlicht und Heizung aufwächst.

Ein weiterer Vorteil der Tiefkühlung ist, dass die Gemüseabfälle, also unter anderem Kerngehäuse, Stengel, Schalen und Stile (beim Fisch die Gräten) etc.  gar nicht erst zu uns nach Deutschland transportiert werden, wie das bei der Frischware in der Regel der Fall ist. Allein dadurch ist letztlich der CO2-Fußabdruck trotz des benötigten Energieaufwands der Kühlung nicht höher als beim Transport von frischer Ware.

Ist Tiefkühlkost und Klimaschutz aber nicht zunächst ein Widerspruch bei Tiefkühlhäusern mit hohen Energiekosten?

Ahlers: Auf den ersten Blick schon, denn wir benötigen viel Energie, um das Essen in den Kälteschlaf zu befördern.

Und wir haben natürlich auch berechnet, wieviel CO2 entsteht, wenn ein vergleichbares Gericht aus frischen Zutaten selbst gekocht wird.

Das Ergebnis: Wenn nur mit saisonalen Zutaten aus der Region und aus dem Freiland gekocht wird, dann ist das frisch gekochte Gericht natürlich CO2 freundlicher als ein FRoSTA Gericht.

Frische Paprika, frische Tomaten, Brokkoli und auch frische Kräuter wachsen in Deutschland aber ja nur in den Sommermonaten. Sobald mit frischem Gemüse aus dem beheizten Gewächshaus gekocht wird ist der CO2- Wert eines FRoSTA Gerichtes günstiger. Das liegt auch an den großen Mengen, die wir sehr energieeffizient verarbeiten und daran, dass unsere Zutaten in sehr großen Gebinden verpackt und transportiert  werden. Unsere frische Milch und Sahne wird zum Beispiel in großen Mehrwegcontainern geliefert. Hier fällt gar kein Verpackungsmüll an.

Ein weiteres Beispiel: Wir verwenden ausschließlich frische Nudeln, die nicht mittels viel Energie getrocknet werden müssen. Auch das spart wiederum CO2.

Wie funktioniert die Berechnung des CO2 Fußabdruckes?

Ahlers: Etwa 40 Prozent der klimarelevanten Emissionen eines jeden Bundesbürgers werden durch Ernährung und Konsum verursacht (Umweltbundesamt/Stand 2007). Weltweit entfallen ca. 20 Prozent der CO2-Emissionen auf die Lebensmittelproduktion. Wir sind daher schon 2008 als erster Lebensmittelhersteller bundesweit damit gestartet, CO2-Fußabdrücke für unsere Tiefkühlprodukte zu ermitteln.

Dazu berechnen wir zunächst den CO2 Fußabdruck den jede Zutat  mit sich bringt, also von der Aussaat über die Ernte, Verarbeitung und den Transport zu uns. Dann berechnen wir die CO2 Emissionen in unseren Werken, den Transport und die Lagerung im Handel sowie die Einkaufsfahrt des Kunden zum Laden und schließlich die Zubereitung zuhause  und die Entsorgung der Verpackung.

Sie beziehen ihre Zutaten auf der ganzen Welt, die Lieferketten sind entsprechend lang. Wie wirkt sich das auf die Nachhaltigkeit aus?

Ahlers: Unsere Zutaten beziehen wir immer genau daher, wo wir die Zutat mit der besten Qualität und dem besten Geschmack erhalten. Und das bei Erzeugern, die wir bereits viele Jahre kennen.

Gemäß unserer Einkaufsspezifikationen vereinbaren wir alle Details rund um unsere Zutaten: Angefangen beim Saatgut, über die Behandlung auf dem Feld bis zur Verarbeitung. Wir überprüfen die Einhaltung durch Wareneingangskontrollen, machen auch Besuche vor Ort und regelmäßige Lieferantenaudits.

Außerdem kontrollieren wir sehr regelmäßig und genau die Einhaltung unserer strengen Vorgaben, um sicherzugehen, dass unsere Zutaten im Sinne des Reinheitsgebotes und der Nachhaltigkeit frei von jeglichen Zusatzstoffen hergestellt werden.

Wie genau nehmen Sie es mit den Arbeitsbedingungen/Sozialstandards?

Ahlers: Unser „Code of Conduct“, den jeder Lieferant unterzeichnen muss, regelt die Arbeitsbedingungen und ihre Einhaltung und wird bei Lieferanten aus BSCI-Risikoländern durch Sozialaudits überprüft und eingefordert. Mit unseren Lieferanten treffen wir darin unter anderem die Vereinbarung, dass der Lohn und die Zusatzleistungen für deren Arbeiter mindestens den gesetzlich geforderten und branchenüblichen Minima entsprechen und nicht nur die Grundbedürfnisse der Arbeiter und ihrer Familie decken, sondern auch frei verfügbares Einkommen gewähren.

Wie schaut es speziell bei den Transportmitteln aus?

Ahlers: Der Transport soll so weit wie möglich Umwelt schonend sein – das heißt wir wählen niemals das Flugzeug, sondern transportieren unsere Zutaten zum Beispiel mit dem Frachtschiff nach Deutschland. Durch die großen Mengen ist insbesondere der Transport per Schiff sehr CO2 effizient.

Durch die Tiefkühlung haben wir den Vorteil, dass wir unser Gemüse immer dort anbauen können, wo es optimale Bedingungen zum Wachsen vorfindet. Direkt nach der Ernte wird es im Ursprungsland eingefroren. So ist es ohne Qualitätseinbußen viele Monate lang haltbar und kann ganz in Ruhe transportiert werden.

2020 soll es soweit sein, dass ein LKW von Ihrem Transportpartner auf Wasserstoff umgerüstet wird?

Ahlers: Richtig. Dazu wollen wir als Privatunternehmen im engen Kontakt mit der BIS ein Pilotprojekt mit unserem Spediteur „Brüssel & Maass“ in Bremerhaven auf die Beine stellen.

Der Klimastandort Bremerhaven mit dem soeben beschlossenen Testfeld zur Produktion „grünen Wasserstoffes“ im südlichen Fischereihafen bietet gute Voraussetzungen.

Wir sind als Produzent dabei und bieten tägliche Auslastungen, unser Spediteur ist ebenfalls mit Engagement an Bord und sorgt für sichere Transporte in der nötigen Pilotphase.

Was noch fehlt, ist die geplante Tankstelle für Wasserstoff. Und: Ohne eine entsprechende Förderung bspw. durch EU-Mittel wird es nicht funktionieren. Denn der mit Wasserstoff zu betreibende LKW als Prototyp wird realistisch bis zu 5mal mehr als ein herkömmlicher LKW kosten. Das von der Hochschule Bremerhaven als konkretes Anwendungsprojekt im Bereich „Mobilität und Verkehr“ kann hier die erforderliche Aufbauarbeit für den Einstieg in spätere Kleinserien bieten, was wiederum mittelfristig zu deutlichen Ersparnissen führen wird.

Sie denken auch unternehmensübergreifend über die Bündelung der LKW-Verkehre nach?

Ahlers: Gemeinsam mit dem Bremer Institut für Seeverkehr und Logistik (ISL) arbeiten wir, namentlich unser Logistikleiter Thorsten Heitland, im Projekt Loko (Logistik-Kollaboration) strategisch daran, Transporte zu bündeln, die Verkehre zu reduzieren und somit den CO2-Austoß weiter zu senken. Mit Unterstützung der im Projekt entwickelten Lokost-Software haben wir bereits andere Produzenten in Bremerhaven ermittelt, deren Transportwege mit unsere fast deckungsgleich sind – z.B. zwischen Bremerhaven, Hamburg und zurück. Es geht um den maximalen Füllgrad pro LKW und Strecke. Die Pilot-Software assistiert beim Aufbau und der Nutzung eines gemeinsamen Distributionsnetzes. Sensible Betriebsdaten werden dabei anonymisiert. Auf dieser Grundlage können rollierend oder revolvierend Transportströme geplant werden – und zwar als WIN-WIN-Projekt der Beteiligten. Wir sind zuversichtlich, hier bereits 2020 durchstarten zu können.

 


1 Kommentar(e)

    Astrid Altenburg

    Wir sind ein Ehepaar, 55 + 59 Jahre alt und wohnen in Cuxhaven. Wir kaufen seit ca. 2 Jahren Ihre TK Gerichte und Fisch Bordelaise. Wir essen pro Person einen Beutel. Sie schmecken uns sehr gut. Unser Antrieb war, die Regionalität und die Nachhaltigkeit insgesamt. Wir werben innerhalb unseres Freundeskreises für Ihre Produkte. Das Gerichtsurteil zu Ihrer VW Fahrzeugflotte empfinden wir als eine Unverschämtheit. Bitte weiter so.
    Ach ja, wir würden Ihre Produkte auch kaufen, wenn diese teurer wären!

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