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Norddeutschland baut Wasserstoffwirtschaft auf

Eine Befragung von Akteuren – darunter auch Bremerhavener Unternehmen und Institute – macht deutlich, wo auf dem Weg dahin noch der Schuh drückt. 

Mit einem hohen Anteil an produziertem Windstrom vor Ort erfüllt Norddeutschland die besten Standortvoraussetzungen, um Modellregion für „grünen“, aus erneuerbaren Energien erzeugten Wasserstoff zu werden und damit die Energie- und Mobilitätswende positiv zu beeinflussen. Mehr noch: In den Küstenländern sind bereits erste Elektrolyseanlagen mit Windstrom für die Herstellung von Wasserstoff sowie H2-Tankstellen in Betrieb gegangen und einige elektrische Fahrzeuge mit diesem Treibstoff unterwegs. Um das Know-how zu bündeln und die Herausforderungen, die der Aufbau einer Wasserstoffwirtschaft mit sich bringt, gemeinsam zu begegnen, wird derzeit eine Norddeutsche Wasserstoffstrategie erarbeitet. Daran beteiligt sind Vertreter aus Politik, Wirtschaft und Wissenschaft aus Bremen, Hamburg, Schleswig-Holstein, Niedersachsen und Mecklenburg-Vorpommern. Die fünf Länder planen neue Anwendungen von „grünem“ Wasserstoff entsprechend der gesamten Wertschöpfungskette von der Erzeugung über den Technologie- und Netzausbau bis hin zur Vermarktung. Im Zuge dessen fanden im August Workshops zu den Themen „Wasserstoff in der Mobilität“, „Wasserstoff in der Industrie“ sowie „Wasserstoff in der Bereitstellung“ statt. Dort wurde die Auswertung einer Befragung zu aktuellen und geplanten Wasserstoff-Aktivitäten präsentiert, an der auch Akteure aus Bremerhaven teilgenommen hatten.

Das Kernergebnis: Von den insgesamt 226 Teilnehmern der Fragebogenaktion – darunter 119 Unternehmen, 30 Institute, 29 Kommunen, 22 Netzwerke sowie Stadtwerke, Hafenbetriebsgesellschaften, Kammern, Hochschulen und Behörden – gaben 90 an, bereits aktuell ein Projekt durchzuführen. Über 120 der Befragten wollen dies zukünftig tun. Jedoch gab ein Großteil der Antwortenden auch an, dass die Hemmnisse für Aktivitäten noch zu groß seien und sowohl auf Bundes- als auch Landesebene Handlungsbedarf bestehe.

Hemmnisse abbauen

Als größte Bremse werden die staatlichen Preisbestandteile angesehen. Gewünscht ist, dass Anlagen zur Wasserstofferzeugung (Power-to-Gas-Anlagen) von der EEG-Umlage ausgenommen und steuerlich entlastet werden, wenn der von ihnen verbrauchte Strom erneuerbar ist. Auch der Abbau regulatorischer Hindernisse wurde gefordert. So sollen sich die Norddeutschen Länder dafür einsetzen, dass das Genehmigungsrecht einfacher und entsprechende Verfahren sowie Vorhaben unterstützt werden – zum Beispiel mit finanzieller Förderung für Forschung, Netzwerkbildung und Ansiedlung von Unternehmen aus der Wasserstoff-Branche. Um weitere Anreize zu schaffen, sehen es viele der Befragten als notwendig an, Subventionen von fossilen Brennstoffen zu streichen und Zuschüsse abzubauen, die zu höheren CO2-Emissionen führen. Gleichzeitig ist ihnen wichtig, dass die Herstellung von Wasserstoff durch erneuerbare Energien unterstützt wird. So soll ihrer Meinung nach zum Beispiel „grüner“ Wasserstoff die gleiche CO2-Gutschrift erhalten wie die Zumischung von Biotreibstoffen. Damit Wasserstoff wettbewerbsfähig wird, sei es notwendig, die EU-Richtlinie Renewable Energy Directive (RED II) in nationales Recht umzusetzen und den Emissionshandel weltweit zu betreiben.

Wert für den Klimaschutz sichtbar machen

Als störendes systemisches Hemmnis wurde darüber hinaus die Tatsache angeführt, dass eine Wasserstoff-Infrastruktur fehle. Es gelte politisch forciert weitere Erneuerbare Energie- und Elektrolyseanlagen aufzubauen, H2-Tankstellennetze zu erweitern und nicht zuletzt die Strom- und Gasnetze so zu planen, dass diese zunehmend Wasserstoff aufnehmen sowie weiterleiten können. Was mehrheitlich mit dem Erfolg von Wasserstoff eng verbunden wird: Die Anwendung der Technik muss wirtschaftlicher und ihr Wert für den Klimaschutz sichtbar sowie aktiv vermarktet werden. Das schaffe Akzeptanz bei Unternehmen sowie den Bürgerinnen und Bürgern. „Die Ergebnisse aus der Befragung machen deutlich, wie die Norddeutsche Wasserstoffstrategie weiter auszurichten ist und was berücksichtigt werden muss. Sie kann dazu beitragen, Norddeutschland und insbesondere auch Bremerhaven wirtschaftlich enorm zu stärken“, so Annette Schimmel, Projektleiterin „Green Economy“ bei der BIS Bremerhavener Gesellschaft für Investitionsförderung und Stadtentwicklung mbH, die sich für die Initiative der Norddeutschen Länder stark macht und die Aktivitäten begleitet.

Modellregion für „grünen Wasserstoff“ – darum in den Norddeutschen Ländern

In den fünf Küstenländern gibt es eine große Anzahl an Windparks und -rädern, die viel erneuerbaren Strom produzieren. So viel, dass zeitweise ein Überangebot besteht, das aus Kapazitätsgründen und wegen fehlender Speichermöglichkeiten nicht ins öffentliche Stromnetz eingespeist werden kann. Aus diesem Überschuss an Windstrom lässt sich via Elektrolyse „grüner“ Wasserstoff gewinnen. Ein Element, das wie Energieexperten prognostizieren, eine zentrale Rolle in der Energiewende spielen wird und der Schlüssel dazu ist, Regionen komplett mit Ökostrom zu versorgen. Denn: Wasserstoff speichert regenerativ erzeugte Energie kurz- oder langfristig und kann zur Wärme- sowie Stromproduktion in Industrie, Haushalten und mit Hilfe von Brennstoffzellen für die Elektromobilität genutzt werden. Nicht zuletzt lässt sich „grüner“ Wasserstoff auch als Alternative zu fossilem Wasserstoff in der chemischen Industrie verwenden und zu E-Kraftstoffen (E-Fuels) für Power-to-Liquid-Tankanlagen umwandeln.


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