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Schmackhafter Meeresschatz wird nachhaltige Lebensmittelverpackung

Verpackungsmüll ist weltweit eines der zentralen Themen. Einwegverpackungen aus Plastik belasten die Umwelt und vor allem die Meere. In Bremerhaven gibt es eine außergewöhnliche Zusammenarbeit zwischen der Lebensmittelwirtschaft und der Forschung.

Das Ziel: die 100 Prozent biologisch abbaubare Verpackung aus Naturmaterial. Der passende Rohstoff: Algen.

„Wir nehmen jetzt mal diese Grünalge hier, zerkleinern sie im Mixer und verarbeiten sie dann“, erklärt Dr. Ramona Bosse. Die 30-Jährige steht im weißen Forscherkittel im Labor der Hochschule Bremerhaven. Sie arbeitet seit einem Jahr am Projekt Mak-Pak und versucht, sogenannte Makroalgen in den richtigen Zustand und die richtige Form für die Produktion einer nachhaltigen Verpackung für Lebensmittel zu bringen. „Makroalgen sind Großalgen, die wir hier zum Beispiel in der Nord- oder Ostsee finden“, sagt sie. „Die Größe reicht von handtellergroß bis mehrere Meter. Für das Forschungsprojekt benutzen wir Rotalgen, Grünalgen und Braunalgen.“

Ins Leben gerufen hat das Projekt der international agierende Fischrestaurant-Betreiber NORDSEE GmbH. Das Unternehmen hat seinen Firmensitz im Bremerhavener Fischereihafen. „Für uns ist es wichtig, dass die Verpackungen für unsere Produkte in den Restaurants aus nachwachsenden und nachhaltigen Rohstoffen sind“, erklärt Dietmar Hoffmann, Leiter der Abteilung für Qualitäts- und Nachhaltigkeitsmanagement bei NORDSEE. Bisher nutzt das Unternehmen dafür überschüssige Pflanzenfasern aus der Produktion von Zuckerrohr – die sogenannte Bagasse.

„Dieser Rohstoff muss aber von den Zuckerrohr-Produzenten aus der Karibik oder Afrika nach Deutschland transportiert werden. Den Transportweg kann man zugunsten der Umwelt einsparen“, schildert Hoffman. Deshalb habe sich das Unternehmen dafür entschieden, eine nachhaltige Verpackung aus einem regionalen Material herstellen. Gefördert wird das zweijährige Projekt vom Bundesministerium für Ernährung und Landwirtschaft. Projektträger ist die Bundesanstalt für Landwirtschaft und Ernährung. Doch warum ausgerechnet die Alge? Ramona Bosse kennt die Antwort:

„Algen sind nicht nur extrem widerstandsfähig und reißfest. Sie haben noch dazu viele Inhaltsstoffe, die für eine Lebensmittelverpackung ideal sind. Algen haben antivirale Eigenschaften und sind auch antibakteriell.“ Zurzeit arbeitet sie mit ihrem Team daran, die Substanz der Algen in der Verarbeitung so anzulegen, dass sie kein Wasser oder Fett durchlassen. Immerhin sollen zukünftig damit von den NORDSEE-Kunden zubereiteter Fisch, Pommes Frites und anderes tropffrei transportiert werden. „Es kann sein, dass wir eine innere Schutzschicht in die Verpackung einbauen. Es kann aber auch sein, dass wir die Anti-Tropf-Funktion in die Gesamtstruktur der Algenverpackung integrieren“, so Ramona Bosse.

Zur Produktentwicklung im Sinne der Umwelt gehört natürlich auch, dass die Algen dafür zukünftig nicht in der Nord- oder Ostsee geerntet werden. Das Alfred-Wegener-Institut für Polar- und Meeresforschung (AWI) ist deshalb mit im Boot. Am Zentrum für Aquakultur-Forschung (ZAF) suchen die Wissenschaftler nach den optimalen Bedingungen, um Makroalgen im großen Stil in der Aquakultur an Land zu züchten. „Dabei geht es zum Beispiel um die Wassertemperatur, die Nährstoffe im Wasser und auch die richtige Strömung. Wir müssen praktisch das Meer möglichst perfekt simulieren, damit die Algen sich wohl fühlen und ordentlich wachsen“, erklärt Dr. Joachim Henjes vom ZAF.

Es ist also noch einiges zu tun im Projekt Mak-Pak. Bis zum Jahr 2022 kann es nach Angaben der NORDSEE GmbH dauern, bis es die 100-Prozent ökologische Innovation in den Restaurants gibt. „Und wer möchte, könnte die Verpackung aus Algen sogar mitessen“, schwärmt Ramona Bosse. „In Makroalgen sind Spurenelemente, Vitamine und vor allem Eiweiß.“ Ob sie eine persönliche Lieblingsalge hat? „Ja“, lacht sie. „Rotalge. Damit ist auch immer mein Lieblings-Sushi eingewickelt. Einfach lecker.“

 


1 Kommentar(e)

    Heike Brinkhus

    Sehr geehrte Damen und Herren,
    mein Name ist Heike Brinkhus, Abteilungsleiterin an den Berufsbildenden Schulen Cloppenburg. Wir bilden in unserer Berufsschule Fachkräfte für Lebensmitteltechnik der gesamten Lebensmittelindustrie von der Nordseeküste bis kurz vor Osnabrück aus.
    Privat komme ich aus der Landwirtschaft und habe mit großem Interesse von ihrem Projekt gelesen und dabei erlesen, dass einen Mangel an Algenproduzenten gibt, um ihr Forschungsprojekt voranzutreiben.
    Mich würde interessieren, ob es möglich wäre:
    a) als Privatperson in die Algenproduktion einzusteigen, um das Innovationsprojekt voranzutreiben.
    b) als Berufsschule an dem Projekt zu beteiligen?

    Mit freundlichen Grüßen
    Heike Brinkhus
    BBS-Technik, Cloppenburg

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