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Festmachen in Bremerhaven
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Kaffeeproduzent ökologisch an mehr als der Bohne interessiert

Wenn Ulli Berbrich von seinem ganz persönlichen Knackpunkt erzählt, dann leuchten seine Augen. Dabei geht es wie üblich um etwas Wichtiges. Aber bei dem 27-jährigen kommt noch ein Geruch dazu, den man eigentlich morgens aus der Küche kennt. Ulli Herbrich ist Kaffeeröster, bringt die Bohnen in seinem Röster zum Knacken und setzt sich mit seinen Produkten für die Umwelt ein.

„Kaffeebohnen sind ein bisschen wie Popcorn“, sagt der Jungunternehmer und lacht. Er steht in den Betriebsräumen seiner Firma Bohnengold im Fischereihafen und greift mit der Hand in einen großen bedruckten Jutesack. Heraus holt er eine Hand voll Rohkaffee. Von Bräunung keine Spur. Die Bohnen sind eher sandfarben-grünlich. „Die Rille hier in der Mitte der Kaffeebohne kennen wir alle. Nur hier bei der Rohbohne ist sie noch leicht geschlossen“, zeigt Ulli Berbrich mit dem Zeigefinder. „Durch die Röstung verändert sich die Bohne und wölbt sich auf. Die Rille öffnet sich. Das ist der erste Knackpunkt.“

2018 hat er seine eigene Rösterei gegründet und ist in die Abteilung einer Halle im Fischereihafen gezogen. Die Vergangenheit der Räume ist noch an den Wänden zu sehen. Die hellgelben Fliesen aus den 60er-Jahren stehen charmant für die Vergangenheit der Backsteinhalle. Vorn ist ein kleiner Tresen mit Kaffeemaschine zum Verkosten der verschiedenen Kaffees. Ein schmaler Gang führt in den hinteren Teil der Halle. Hier steht das Heiligtum vo Ulli Berbrich: der schwarz-metallene Kaffeeröster. Von einer Maschine kann man nicht sprechen, denn die Qualität des gerösteten Kaffees hängt ganz von der Erfahrung des Kaffeerösters ab.

„Ich musste mich da erstmal rantasten“, erzählt Ulli. Gelernt hat er das Kaffeerösten von einem Bekannten. Ursprünglich stammt er aus dem Bremerhavener Umland und hat als Physiotherapeut in Oldenburg gearbeitet. Dann hat es ihm der Kaffee angetan. „Dafür, dass ich selber bis zum Alter von 20 Jahren keinen Kaffee getrunken habe, ist das schon erstaunlich“, wundert er sich selbst ein bisschen. Inzwischen weiß er genau, welche Bohne welche Temperatur verträgt. „Je länger die Bohne röstet, desto mehr verliert sie an Säure und damit an Geschmack. Ich röste meistens so um die 20 Minuten. Das ist optimal.“

Ganz und gar nicht optimal findet Ulli Herbrich den Umgang des Menschen mit der Natur. „Ich kann zwar nicht die großen Dinge bewegen, aber hier bei mir in der Rösterei mit kleinen Sachen anfangen“, sagt er entschlossen – und untertreibt damit ein wenig. So hatte sein Vorgänger goldene Tüten aus Aluminium für den gerösteten Kaffee. „Ganz schlecht“, schüttelt Ulli Berbrich den Kopf. „Bei der Herstellung von Aluminium entsteht Rotschlamm, der mit Schwermetall belastet ist und deponiert werden muss.“

Seine Lösung: Kaffeetüten aus hochwertigem Papier, in schickem Matt-Schwarz mit Papieretiketten von Hand beklebt. Das Papier stammt aus nachhaltiger Forstwirtschaft. Nur drinnen ist eine dünne Folie aus PE-Kunststoff , damit der Kaffee bis zu sechs Monate haltbar ist und das Aroma nicht verliert. „Diese Tüten kosten mich pro Stück zwar 40 Cent statt in der Alu-Version 4 Cent. Aber ich möchte etwas vom Umweltgedanken weitergeben. Wer seine Tüte wieder mitbringt und bei mir auffüllen lässt, der bekommt den Kaffee 50 Cent günstiger“, erklärt der junge Kaffeeröster.

Sein Einsatz geht aber noch weiter: bis nach Afrika. Über ein Unternehmen aus Ritterhude bezieht Ulli Berbrich Kaffeebohnen, die an ein Fair-Trade-System gekoppelt sind. „Von jedem Kilo Kaffee, den ich kaufe, werden 35 Cent an die Produzenten weitergegeben“, sagt der Jungunternehmer. Dafür seien schon Schulen und auch Wassertanks für die Einheimischen gebaut worden. Ulli Berbrich: „Auch damit können wir dazu beitragen, dass sich vor Ort für die Menschen etwas zum Positiven verändert.“

Er selbst hat die Art seiner Energie auf den Prüfstand gestellt und den Röstofen von Strom- auf Gasbetrieb umgestellt. In der Woche röstet er zig Kilogramm Kaffee aus der ganzen Welt – von Südamerika, über Afrika bis nach Asien. Die 250-Gramm-Packung kann schon mal sieben Euro kosten. „Dafür ist aber auch alles Handarbeit – von der Bohne über das Rösten bis zur fertigen Verpackung mit Aufkleber. Wir sollten uns bewusst machen, dass Kaffee ein Lebensmittel ist und ihn nicht literweise in uns hineinschütten, sondern genießen. Auch mit gesundem Verzicht kann man zum Umweltschutz beitragen“, so Ulli Berbrich.

Aus dem Röstofen dringt inzwischen eine appetitliche Geruchsfahne, die Lust auf Kaffee macht. „Wir sind jetzt bei kurz unter 200 Grad und haben gut 15 Minuten Röstzeit. Irgendwann öffnen sich die Poren der Kaffeebohne und das Öl kommt an die Oberfläche“, erklärt der Kaffeeröster. Er beugt sich zum schwarzen Metallbehälter vor – gerade so, als ob er auf etwas warten würde. Er flüstert gespannt: „Das ist dann der zweite Knackpunkt.“


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