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Bunt, innovativ und ohne Wasser

Druckzentrum Nordsee setzt umweltschonende Technik ein.

Wenn Lars Cordes amüsiert davon erzählt, wie er beim letzten Betriebsausflug aus dem Kanu ins Wasser gefallen ist, dann tut er das mit gutem Gewissen. Nicht nur, weil er ein positiver Mensch ist. Der Betriebsleiter am Druckzentrum Nordsee blickt in der großen Druckhalle auf eine Maschine, die komplett ohne Wasser im Prozess druckt und damit extrem die Umwelt schont. Ein Alleinstellungsmerkmal von der Nordseeküste bis in die Niederlande.

„Wir fahren diese Maschine mit dem sogenannten wasserlosen Offset-Druck“, erklärt der 35-jährige. Er steht in der Druckhalle vor der mehrstöckigen aber kompakten Rotations-Druckmaschine. Im Gegensatz zum herkömmlichen Offset-Druck durchlaufen die Druckwalzen kein Feuchtwasserwerk und danach ein Farbwerk. Die Verteilung der Farbe auf dem Papier wird über die Temperatur gesteuert. „Die Druckwalzen werden unterschiedlich erwärmt. Die Farben reagieren abhängig von ihrer Konsistenz darauf und dementsprechend wird der Farbauftrag auf dem Papier gesteuert“, so der Betriebsleiter.

Dadurch wird im Druckvorgang für Zeitungen, Magazine oder Prospekte keinerlei Wasser gebraucht und verschmutzt. Produziert werden im Druckzentrum am Grollhamm in Geestemünde unter anderem die Nordsee-Zeitung, die Kreiszeitung Wesermarsch, die Zevener Zeitung, die Cuxhavener Nachrichten, die Niederelbe Zeitung und die Bremervörder Zeitung. Aber auch zahlreiche Anzeigenblätter, Magazine und Beilagen werden auf der Rotations-Maschine gedruckt. 26 Millionen Euro hat die Inhaberfamilie Ditzen-Blanke am neuen Standort vor gut zehn Jahren investiert und damit Erfolg. Die Zahl der Kunden ist gestiegen – unter anderem durch das umweltfreundliche Druckverfahren.

„Wenn Sie mit Wasser arbeiten, verläuft die Farbe streng gesehen zu einem gewissen Teil im Papier, weil die Feuchtigkeit in die Kapillargefäße des Papiers eindringt. Man kann also bei herkömmlichem Offset-Druck nur eine begrenzte Menge an Punkten auf eine bestimmte Fläche auf dem Papier aufbringen“, erklärt Lars Cordes. Beim wasserlosen Offsetdruck sei das anders. Durch die größere Dichte der möglichen Farbpunkte verbessere sich die Druckqualität enorm. Das honorieren auch die Kunden, die aus dem gesamten Elbe-Weser-Dreieck und noch weiter kommen. „Die nächste Druckmaschine in dieser Qualität steht in Amsterdam“, sagt Lars Cordes.

Der Umweltgedanke zieht sich beim wasserlosen Druckverfahren durch die gesamte Produktion. Bereits die Platten durchlaufen bei der Vorbereitung auf den Druck im Druckzentrum ein spezielles Verfahren mit einem geschlossenen Wasserkreislauf. Doch auch, wenn der Druck abgeschlossen ist und die Platten eigentlich Müll sind, wandern sie nicht in den Abfall. „Die Druckplatten bestehen aus Aluminium und werden zu 100 Prozent wieder recycled“, betont Cordes.

Er geht aus der Druckhalle ein paar Treppen hinunter. Im dem Raum unter der Maschine ragen Papierrollen in die Höhe. Sie sind übereinander aufgetürmt und warten auf ihren Einsatz. „Auch beim Papier“, sagt Lars Cordes, „achten wir sehr auf die Umwelt. Wir verwenden ausschließlich recyceltes Druckpapier für die Zeitungen und alle anderen Produkte. Es sei denn, der Auftraggeber will etwas anderes.“ Auf der Außenhülle der Papierrollen prangt der Blaue Engel als Gütesiegel für die umweltfreundliche Herkunft des Papiers. Rund 550 Tonnen davon werden im Druckzentrum jeden Monat bedruckt.

„Das Einzige, woran zum Wohl der Umwelt noch gearbeitet werden muss, ist die Druckfarbe“, bedauert Lars Cordes. Sie werde immer noch mit einem Anteil Mineralöl hergestellt und so angeliefert.  „Allerdings“, betont der Betriebsleiter des Druckzentrums, „ist das ja nicht in Stein gemeißelt.“ Er wirkt etwas geheimnisvoll. Was steckt dahinter? Lars Cordes beugt sich vor: „Wir arbeiten gemeinsam mit mehreren Betrieben und Lieferanten daran, eine Druckfarbe ohne Mineralöl herzustellen und einzusetzen. Wenn wir das auch noch hinkriegen, das wäre super.“


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