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Nachhaltig Bauen, Naturschutz

Werkstattauftakt zur Entwicklung eines städtebaulichen Konzepts für die Gewerbeflächen auf der Luneplate

Die Planungen für die Entwicklung des „grünen“ Gewerbegebiets in Bremerhaven gehen ab dem 28.8.2017 in die nächste Runde. In den kommenden Wochen werden zwei Planungsteams und ein Begleitgremium ein städtebauliches Konzept für das neue Gewerbegebiet erarbeiten. Die Ergebnisse des Werkstattverfahrens werden am 17. November 2017 präsentiert.

Veranstalter des dialogorientierten Werkstattverfahrens ist die BIS Bremerhavener Gesellschaft für Investitionsförderung und Stadtentwicklung. Folgende grundsätzliche Prämissen und generelle Fragestellungen werden von den Teams und dem Begleitgremium bearbeitet:

Nachhaltig ausgerichtetes Gewerbegebiet

Für das Plangebiet ergibt sich die einmalige Chance, sich zu einem nachhaltig ausgerichteten und klimaangepassten Gewerbegebiet mit Pilotcharakter zu entwickeln. Diese Chance soll genutzt und aufgezeigt werden, wie ein solcher Ansatz planerisch und in Anlehnung an das Cradle to Cradle Konzept und/oder an das DGNB-Zertifizierungssystem umgesetzt werden kann.

Profilierung des Ortes – Achtung des Naturschutzgebietes

Eine besondere Bedeutung bei den weiteren Planungen kommt dem Naturschutzgebiet Luneplate zu. Die unmittelbare Nachbarschaft des größten Naturschutzgebietes des Landes Bremen zum Plangebiet begründet die nachhaltige Ausrichtung und erfordert ein behutsames Zusammenspiel von Ökologie und Gewerbe.

Energieversorgung 100 % regenerativ

Grundvoraussetzung eines nachhaltig geplanten Gewerbegebietes ist die Versorgung mit 100 % erneuerbaren Energieträgern. Hierzu bieten sich in dem Plangebiet neben Wind und Sonne auch Tiefe Geothermie oder Nahwärme aus der benachbarten Kläranlage an. Es werden Vorschläge für ein in sich eigenständiges, unabhängiges Energieversorgungssystem erwartet.

Flexible Infrastrukturtrassen

Aufgrund sich immer schneller ändernden Anforderungen an die ausreichende Anbindung an leistungsfähige Datenleitungen über Breitband/ Glasfaser sind Leitungstrassen so zu legen und auszuführen, dass sie zu einem späteren Zeitpunkt ohne großen baulichen Aufwand nachrüstbar sind, so dass auch hier ein Beitrag zur nachhaltigen Erschließung und Nutzung eines Gewerbegebietes erfolgen soll.

Ein zukunftsfähiges und klimaresilientes Quartier

Der Klimawandel wird in den kommenden Jahrzehnten zunehmend spürbar sein. Als grundlegende Prinzipen einer klimawandelgerechten Stadtentwicklung neben der Versorgung mit Erneuerbaren Energien gelten: maßvolle Dichte, Durchströmbarkeit, deutliche Durchgrünung von Dächern, Fassaden, Innenhöfen, zusammenhängende Grünflächen, ökologische Regenwasserbewirtschaftung durch Versickerung, temporärem Einstau, Wasserflächen. Die grundlegenden Prinzipien einer klimawandelgerechten Stadtentwicklung sind bei der städtebaulichen und freiräumlichen Gestaltung des Gewerbegebietes zu berücksichtigen. So soll u. a. negative Auswirkungen durch sommerliche Überwärmungen, Starkregenereignissen und Wind vorgebeugt werden. Die Gewerbegrundstücke sollen somit „klimaresilient“ und unter Berücksichtigung der derzeit im Land Bremen erarbeiteten Klimaanpassungsstrategie angeboten werden können.

Mobilitätskonzept

Die Verkehrsnachfrage wird sich weg vom klassischen Individualverkehr zugunsten einer Nutzung des ÖPNV, des Fahrrades und von CarSharing-Modellen, Pooling, vernetzter Logistik ändern. Auch das Thema E-Mobilität wird zunehmend im gewerblichen Bereich von Bedeutung sein. Insofern ist eine dem ökologischen Anspruch angemessene verkehrliche An- und Einbindung bzw. Ausstattung des Standortes für alle Verkehrsträger zentrale Voraussetzung für seine Entwicklung. Notwendiger Anpassungsbedarf ist in einem Mobilitätskonzept aufzuzeigen.

Schrittweise Realisierbarkeit

Das erarbeitete Planungs- und Entwicklungskonzept muss (fach-)planungs- und bauordnungsrechtlich realisierbar und etappenweise umsetzbar sein. Es sind Phasen aufzuzeigen, die auch unabhängig voneinander funktionieren und – wo zweckmäßig – bewusst Zwischennutzungen vorsehen.

Die Planer sollen ihre Entwurfsideen gemeinsam mit Vertretern der Stadt Bremerhaven konkretisieren und Nutzungsstrukturkonzepte erarbeiten. Für ein Teilgebiet von 40 ha sollen folgende Inhalte aufgezeigt werden:

  • Aussagen zur Vernetzung der einzelnen Teilräume
  • Systematik und Gestalt der öffentlichen Räume; Wegebeziehungen
  • Erschließungskonzept mit Zufahrten, Straßen, Rad-, Gehwegen und Eingängen,
  • Ver- und Entsorgungskonzeption/ Planungsflächen für Infrastruktur
  • Angaben zum ruhenden Verkehr
  • Aussagen zum kleinräumigen Nutzungsmix innerhalb der Baufelder

Nach dem Werkstattauftakt Ende August erfolgt ein weiteres Werkstattverfahren am 17. Oktober 2017. Werkstattabschluss mit öffentlicher Präsentation ist am 17. November 2017.


1 Kommentar(e)

    Andreas Lieberum

    Ich finde den Ansatz sehr spannend, definiert er doch auch die Rahmenbedingungen der vorzuhaltenden Infrastruktur. Gerade die langfristige Sicht auf sich änderende Klimabedingungen ist mit dem Resilienzansatz sehr gut beantwortet.
    Dennoch ist die entscheidende Frage, welche grundsätzlichen Kriterien an ansiedlungswillige Unternehmen gestellt werden. Denn dort werden schließlich die Schrauben bei Energie- und Ressourcenverbrauch gestellt. Hier eine für das gesamte Gewerbegebiet gültige „circular economy“ zu entwickeln, in der eine umweltverträgliche Qualität der In- und Outputfaktoren akzepitiert wird, erscheint mir die eigentliche Herausforderung zu sein.

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