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Mit Umwelteinsatz für Natur und Mensch: das Thünen-Institut Bremerhaven

Ein Blick hinter die Kulissen vor der offiziellen Eröffnung im September 2017

Reinhold Hanel ist zufrieden. Wenn der Leiter des Thünen-Instituts für Fischereiökologie über die Baustelle des Neubaus im Fischereihafen in Bremerhaven geht, sieht er vor sich die Zukunft der deutschen Fischereiforschung. Zwar fehlt in den Becken für die Aquakultur noch das Wasser. Die Technik aber ist schon eingebaut. Bald werden in dem vierstöckigen Gebäude unter anderem die Folgen der Meereserwärmung für Fische erforscht. Möglich wird das auch durch die einzigartige Ausstattung des Neubaus, für den Ende 2014 Baustart war.

„Wir können die Temperatur-Schwankungen  in diesem Raum auf maximal 0,1 Grad begrenzen. Das funktioniert nur wegen der speziell isolierten Tür und durch die verkleideten Wände“, erläutert Dr. Reinhold Hanel. Er steht in einem 20 Quadratmeter großen Raum, der innen wie ein Temperatur-Tresor rundherum mit Metallplatten versiegelt ist. Hier wird bald  untersucht, wie sich die Erwärmung des Meeres auf Fischeier auswirkt – und damit auf die Stärke der Fischbestände. Um sichere Aussagen darüber treffen zu können, muss die Raumtemperatur konstant sein.

Gleich zwei Institute des Bundes werden bis Mitte nächsten Jahres unter dem Dach des Neubaus in Bremerhaven vereint sein: das Thünen-Institut für Fischereiökologie und das Thünen-Institut für Seefischerei. Derzeit sind die Häuser und ihre rund 150 Forscher noch an vier Standorten in Hamburg, Cuxhaven und Ahrensburg verteilt. Der Bund verspricht sich von der Zusammenlegung große Synergie-Effekte. Er investiert in Bremerhaven rund 40 Millionen Euro. Das Gebäude hat eine Nutzfläche von 7000 Quadratmetern. Die Umweltbilanz des Neubaus ist auf dem neuesten Stand.

„Wir haben 340 Gründungspfähle hier neben dem Hafenbecken in den Boden gerammt. Davon sind 100 Stück Geothermie-Pfähle. Damit wird Energie aus der Erde gezogen, um das Gebäude zu heizen oder auch zu kühlen“, erklärt Bauleiter Franz-Josef Pape. Außerdem stehen die Wände im wahrsten Sinne des Wortes für eine gute Energiebilanz. Sie sind mehr als einen halben Meter dick. 30 Zentimeter Wandstärke haben die Mauern. Dazu kommt eine Dämmung von 24 Zentimetern Stärke.

Im Sinne der Umwelt ist auch der Umzug der beiden Institute in das gemeinsame Gebäude im Fischereihafen. Dr. Gerd Kraus, Leiter des Instituts für Seefischerei, freut sich ganz besonders über die 600 Quadratmeter große Gerätehalle in dem Gebäude. Geht man durch das große Außentor, steht man an der Kaje des Fischereihafens.  „Hier werden in Kürze unsere Forschungsschiffe direkt be- und entladen. Bisher ist es so, dass die Walter-Herwig III nach einer Forschungsfahrt hier im Fischereihafen ankommt und alle Sachen per Lkw nach Hamburg gefahren werden. Vor dem Start der nächsten Reise passiert das Ganze dann andersherum von Hamburg. Das wird es zukünftig nicht mehr geben.“

Energie- und kostensparend für die Umwelt arbeiten – dafür steht der Neubau des Thünen-Instituts. Zwar benötigen die rund 400 Becken und Aquarien der Aquakultur rund 90 Millionen Liter Wasser jährlich. Der Verbrauch liegt aber nur bei 2,8 Litern pro Sekunde. Industrielle Aquakulturen verbrauchen bis zu 50 Liter Wasser in der Sekunde. Reinhald Hanel: „Unser Wasserverbrauch ist extrem gering, weil wir mit einem modernen Kreislaufsystem und Filtern arbeiten.“

Bei den Forschern des Thünen-Instituts steht das Wohl von Mensch und Umwelt im Mittelpunkt. Dafür werden neueste Forschungsgeräte eingesetzt „Wir werden zukünftig einen Unterwasserroboter nutzen, der selbstständig hinter Fischereifahrzeugen herfährt. Mit den beiden eingebauten Kameras können wir dann genau sehen, welche Auswirkungen die Schleppnetz-Fischerei  auf den Meeresboden hat“, sagt Gerd Kraus. Und auch Überwasser werden die Forschungs-Möglichkeiten am Thünen-Institut in Bremerhaven ausgebaut. „Ein Schwerpunkt wird die Suche nach Mikro-Plastikteilen in Fischen sein. Die Verschmutzung durch diese winzigen Plastikpartikel im Meer wird immer größer“, sagt Reinhold Hanel.  Die Fische nehmen das Plastik auf und damit auch der Mensch, wenn er den Fisch isst. „Wir werden hier mit neuestem Gerät untersuchen, welche Fische davon wie stark betroffen sind – und vor allem auch, welche Speisefische.“


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