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Der Wald als Energiefabrik

Hochschule Bremerhaven arbeitet an nachhaltiger Holz-Nutzung

„Wir brauchen mehr Wälder“, fordert Professor Wilfried Schütz. Sein entschlossener Blick gilt dabei aber nicht der Vorstellung, etwa mehr Grün für den Sonntagsspaziergang zu haben. „Unser Wald wird viel zu wenig für die Produktion von nachhaltigen Produkten genutzt. Bei Energie denken beispielsweise alle nur an das Verbrennen von Holz. Dabei birgt der Wald als Energielieferant so viele andere Möglichkeiten.“ Um diese Vielfalt aufzudecken, hat er das Forschungs-Seminar „Wood“ an der Hochschule Bremerhaven ins Leben gerufen.

Was muss man auf welche Art tun, um die im Wald gebundene Energie auf andere und vor allem nachhaltige Art und Weise zu nutzen? Das ist die Fragestellung, mit der sich die zwölf Studenten aus dem Studiengang „Nachhaltige Energie- und Umwelttechnologien“ beschäftigen. Die Vielfalt beginnt schon hier: Jeder einzelne Student erarbeitet einen eigenen Forschungsansatz.

„Im Bereich der Biomasse reden alle nur noch über Maisanbau und Biogasanlagen. Da sieht man den Wald vor lauter Mais gar nicht mehr“, schmunzelt Wilfried Schütz. „Tatsächlich ist der Wald aufgrund seiner Beschaffenheit aber wesentlich ergiebiger als die Maisfelder, die noch dazu unsere Landschaft langsam aber sicher zur Monokultur verändern.“ Die Vielfalt des Waldes hingegen, so Schütz, müsse man sich nur über die richtigen Werkzeuge und Ansätze zunutze machen.

Dabei geht es vor allem darum, wichtige Chemikalien des Alltags auch dann noch herzustellen, wenn fossile Brennstoffe nicht mehr in ausreichender Menge verfügbar sind. „Aus Holz kann man zum Beispiel Zellulose gewinnen und daraus Zucker herstellen. Daraus wiederrum kann man ein Basis-Molekül gewinnen: HMF 5. Das ist besonders für uns in Norddeutschland mit der Windkraft interessant. Über den hier produzierten Strom kann man durch  Elektrolyse Wasserstoff herstellen und mit diesem Wasserstoff das HMF 5 zu Treibstoff umwandeln – und das alles aus regenerativen Energien und einem nachwachsenden Rohstoff.“

Ein Jahr haben die Studenten für ihre Arbeiten Zeit. Im  Januar 2018 werden die Projektarbeiten abgeschlossen sein. Daran das Ungewöhnliche: „Ich bewerte nur die Präsentation. Die Inhalte werden von Wirtschaftsunternehmen unter die Lupe genommen. Schließlich sollen die Ideen ja bestenfalls auch in der Praxis umgesetzt werden und greifbar zur Nachhaltigkeit beitragen“, so Schütz.

Auf welche Art und an welchen Bereich des Waldes die Studenten in ihren Forschungsarbeiten herangehen, ist ihnen völlig selbst überlassen. „Wir verstehen den Begriff „Wood“ nicht stellvertretend nur für das Holz, sondern im Allgemeinen für „Wald“, erklärt Wilfried Schütz und geht für sich sogar noch einen Schritt weiter. „Der Wald“, sagt er, „hält vieles für uns bereit – auch im Bereich der Nahrungsmittel. Man kann zum Beispiel aus Eicheln ein ganz wunderbares und ergiebiges Mehl herstellen. Macht nur noch keiner.“ Aber wer weiß – vielleicht ja demnächst die Hochschule Bremerhaven im Bereich Lebensmitteltechnologie. Oder wie Professor Schütz es formuliert: „Man muss eben einfach nur mal vordenken. Früher hat die Hochschule oft das nachgemacht, was andere entwickelt haben. Heute entwickeln wir die Dinge, die andere nachmachen.“

 

 


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